Barcelona (dpa) - Beim geheimnisvollen Feintuning vor dem WM-Auftakt scheute Red Bull weder Kosten noch Mühe. Das Weltmeister-Team ließ zum Finale eigens ein neues Chassis einfliegen. Sebastian Vettel und Teamkollege Mark Webber durften in einem runderneuerten Formel-1-Rennwagen auf die Strecke.

Doch auch die Konkurrenz schlief nicht. «Wir sind bereit», betonte Mercedes-Pilot Nico Rosberg nach seiner letzten Testfahrt mit dem neuen Silberpfeil. Der Teamkollege von Rekordweltmeister Michael Schumacher machte dann auch noch Hoffnungen auf deutsche Duelle an der Spitze: «Es werden immer noch die Teams vom vergangenen Jahr zu schlagen sein. Aber ich denke, dass wir eine gute Chance haben, sie früh in der Saison schon einige Male zu ärgern.»

Nicht bei allen Red-Bull-Herausforderern herrscht vor dem Großen Preis von Australien in knapp zwei Wochen derartige Zuversicht. Viel Freiraum zu Spekulationen über den Gemütszustand lieferte am Wochenende Ferrari. Die Scuderia, deren Auto von den ersten Runden in diesem Jahr an eher Anlass zur Sorge gab, strich kurzerhand die üblichen Pressekonferenzen mit seinen Fahrern Fernando Alonso und Felipe Massa.

«Das ist eine harte Entscheidung, und wir verstehen den Unmut der Medien», twitterte der italienische Rennstall. Die Nerven in Maranello sind angespannt. Noch ein Jahr ohne Titel wäre verheerend für die Edel-Schmiede. Der letzte Fahrer-Triumph gelang 2007 durch Kimi Räikkönen, ein Jahr später heimste die Scuderia bislang zum letzten Mal den Konstrukteurstitel ein. «Ferrari ist ein kleines Rätsel», kommentierte Red-Bull-Pilot Webber den aktuellen Leistungsstand des Traditionsteams.

Alles preisgeben wollte kurz vor dem Auftakt in die mit 20 Rennen längste Saison der Formel-1-Geschichte aber auch Red Bull nicht. Sobald Webber und Vettel die Box im runderneuerten RB8 ansteuerten, wurden Regenschirme gezückt, um die neuesten Veränderungen am Wagen vor neugierigen Blicken zu schützen. Dabei waren einige Änderungen wie die veränderte Auspuffführung längst öffentlich sichtbar geworden. «Das ist nicht die Welt», hatte Vettel vor Ankunft des neuen Pakets beschwichtigend gesagt.

«Die Leute können über uns reden, was sie wollen. Aber solange wir in der Zeitentabelle nicht oben stehen, haben wir noch Arbeit vor uns», meinte Webber. Er hatte es bei keinem seiner Einsätze auf Rang eins geschafft, Vettel bis zum Sonntag lediglich einmal. «Für mein Gefühl sind die immer mit viel Benzin unterwegs. Die zeigen nicht, was sie können», urteilte Vizeweltmeister Jenson Button. Dessen neuer McLaren-Mercedes wurde ebenfalls zum Testausklang weiter aufgerüstet. «Das Upgrade war ein großer Fortschritt, besser als erwartet», sagte der britische Ex-Weltmeister.

Ob Button oder dessen ebenfalls weltmeisterlicher Teamkollege Lewis Hamilton, Webber, Alonso, Schumacher, Rosberg oder gar ein Überraschungskandidat - Rekordjäger Vettel nimmt die Saison nach seinen beiden WM-Titeln 2010 und 2011 trotz erstmals sechs Champions in einem Starterfeld erneut als Top-Favorit in Angriff. «Ja, es gibt unter diesen Vorzeichen keine andere Antwort auf diese Frage», sagte der Hesse in einem Interview der «Welt am Sonntag».