Barcelona (dpa) - Sebastian Vettels neuer Red-Bull-Rennwagen hat den Doppelweltmeister ausgerechnet beim Testfinale im Stich gelassen. Die trübe Bilanz: Nur rund 100 Kilometer, letzter Platz, über anderthalb Sekunden Rückstand auf die Bestzeit.

«So ist das manchmal: Manchmal ist der Hund drin», räumte der Formel-1-Titelverteidiger Vettel auf dem Circuit de Catalunya bei Barcelona ein. Eigens für die letzten beiden Probetage hatte Red Bull aus Milton Keynes ein neues Chassis einfliegen lassen. Teamkollege Mark Webber und Vettel sollten den noch einmal stark überarbeiteten RB8 zwei Wochen vor dem WM-Auftakt den finalen Belastungstests unterziehen. Doch dann das: Ein Getriebeproblem bremste Vettel am Sonntag.

«Es ist ganz normal, dass ein neues Auto noch ein bisschen rumzickt», sagte der Champion, der nach stundenlanger Zwangspause erst fünf Minuten vor Schluss wieder auf die Strecke konnte. Bis dahin war die Box lange Zeit geschlossen geblieben, hinter dem Tor wechselte die Red-Bull-Crew das Getriebe. Zuvor hatte Vettel bei einem kleinen Ausritt auch noch den Frontflügel des neuen Wagens beschädigt.

Er zeigte sich trotz der fehlenden weiteren Erfahrung mit seinem neuen Gefährt nicht allzu besorgt. «Wenn der Wagen nicht schnell wär, wäre es ein bisschen schlimmer», meinte er. «Alles in allem können wir zufrieden sein. Das Auto hat sich - bis auf heute - gut benommen», betonte der 24 Jahre alte Heppenheimer.

Allerdings hatte der Titelverteidiger auch zu Beginn der Testreihen in Jerez Probleme mit dem neuen Wagen gehabt. Bis zum Finale der Vorbereitung auf dem Grand-Prix-Kurs in Katalonien schaffte es Vettel dann nur einmal auf Platz eins. «Die Leute können über uns reden, was sie wollen. Aber solange wir in der Zeitentabelle nicht oben stehen, haben wir noch Arbeit vor uns», meinte Stallrivale Webber am Wochenende. Er hatte bei keinem seiner Einsätze die Tagesbestzeit erzielen können.

Vor übereilten Prognosen nehmen sich alle in acht. Die Konkurrenz scheint aber gerüstet für die Attacke auf den Branchenprimus. «Es werden immer noch die Teams vom vergangenen Jahr zu schlagen sein. Aber ich denke, dass wir eine gute Chance haben, sie früh in der Saison schon einige Male zu ärgern», sagte Mercedes-Pilot Nico Rosberg nach seinem letzten Testauftritt. «Mercedes ist definitiv stärker als in den Jahren zuvor», befand Vettel. Duelle zwischen ihm und Kumpel Michael Schumacher im neuen Silberpfeil wären wohl das i-Tüpfelchen für die deutschen Formel-1-Fans. Der Kerpener schloss die Testfahrten auf Rang acht ab.

Mercedes hat offensichtlich deutliche Fortschritte gemacht, McLaren mit Vizeweltmeister Jenson Button und Ex-Champion Lewis Hamilton, Sechster am Sonntag in Barcelona, hat wohl ebenfalls weiter aufgeholt. Nicht zu vergessen aber vor allem Lotus mit Rückkehrer Kimi Räikkönen.

Der finnische Weltmeister von 2007 legte erneut die Bestzeit hin. Wie schon am ersten der insgesamt zwölf Testtage. Und am 1. und 2. Märzhatte sein französischer Teamkollege Romain Grosjean jeweils die schnellste Runde auf dem 4,655 Kilometer langen Kurs bei Barcelona gedreht. Nicht nur Vettel hält Lotus «vielleicht» für einen «Geheimtipp».

Ob Ferrari Chancen auf das Ende der titellosen Zeit hat, ist trotz des finalen zweiten Platzes von Fernando Alonso eine der großen Fragen. Während bei Red Bull und Vettel noch keine größere Panik wegen des verkorksten Testfinales herrschte, lieferte die Scuderia selbst ausreichend Stoff zu Spekulationen über den Gemütszustand im Team. Die Italiener strichen am Wochenende die üblichen Pressekonferenzen mit seinen Alonso und Kollege Felipe Massa. Vettel ließ sich hingegen das Wort nicht mal von seinem zickigen Auto verbieten.