Moskau (dpa) - Fünf Kandidaten treten bei der Präsidentenwahl in Russland an. Die Deutsche Presse-Agentur porträtiert nachfolgend die Männer, die das größte Land der Erde regieren wollen:

Der machtbewusste WLADIMIR PUTIN (59) will nach vierjährigem Intermezzo als Regierungschef zurück in den Kreml. In der Schaltzentrale am Roten Platz saß der frühere Geheimdienstchef, der zu DDR-Zeiten für den sowjetischen KGB in Dresden stationiert war, schon von 2000 bis 2008. Der im Westen häufig kritisierte Politiker lenkt seit zwölf Jahren in verschiedenen Ämtern die Geschicke des größten Lands der Erde.

Putins Anhänger verehren ihn als «nationalen Führer». Kritiker bringen ihn mit den vielen Schwächen des Landes wie Korruption und Justizwillkür in Verbindung. Seit der von Fälschungsvorwürfen begleiteten Parlamentswahl im Dezember weht Putin erstmals ein schärferer Gegenwind entgegen. Zehntausende fordern auf der Straße seinen Abgang von der politischen Bühne. Auch daher ist ein Sieg in der ersten Runde - wie 2000 und 2004 - diesmal nicht garantiert.

Der Kommunist GENNADI SJUGANOW (67) gilt als «ewiger Zweiter». Der Mann mit der hohen Stirn trat bereits bei früheren Präsidentenwahlen an und landete jeweils hinter Boris Jelzin, Dmitri Medwedew oder Putin. Für viele Russen verkörpert er einen typischen «Apparatschik». Monoton verurteilt Sjuganow die Politik von Putin mit immer denselben Worten. Dabei legt der studierte Physiker zwar den Finger durchaus in die richtige Wunde, er vermeidet aber die totale Konfrontation.

Sjuganow begann seine Politkarriere in den 1970er Jahren, später saß er in der Propaganda-Abteilung des Zentralkomitees. Die Kommunistische Partei Russlands, deren Mitbegründer er zum Ende der Sowjetunion war, führt Sjuganow seit 1993. Möglich aber, dass der am 26. Juni 1944 geborene Sjuganow bald einem neuen Vorsitzenden Platz macht.

Der als «Poltergeist der russischen Politik» bezeichnete Ultranationalist WLADIMIR SCHIRINOWSKI (65) gibt nach außen gerne den Kremlkritiker. Aber bei richtungsweisenden Entscheidungen erweist sich seine Liberaldemokratische Partei (LDPR) stets als linientreu. Vor der Parlamentswahl im Dezember provozierte der am 25. April 1946 geborene Schirinowski, als dessen Markenzeichen schlecht gebundene Krawatten gelten, mit Parolen gegen Zuwanderer aus dem Kaukasus.

Kritiker brandmarken Schirinowskis Sprüche als chauvinistisch und rassistisch. Der LDPR-Chef sei «ein typischer Demagoge». Der Jurist ist verheiratet, sein Sohn Igor ist Vize-Parlamentschef.

Der superreiche MICHAIL PROCHOROW (46) ist das einzige neue Gesicht unter den Kandidaten. Der Zwei-Meter-Mann hat eher einen Ruf als Lebemann denn als Politiker. Hartnäckig hält sich der Verdacht, dass der Besitzer des US-Basketballclubs New York Nets nur Proteststimmen abfangen soll - um Putin die Rückkehr in den Kreml zu erleichtern. Denn allzu scharfe Kritik an seinem Kontrahenten vermeidet Prochorow. Der Junggeselle ist Chef des Investmentfonds Onexim und befasst sich mit Metallgeschäften, Finanzen und Medien.

Der am 3. Mai 1965 in die Familie eines Sowjetfunktionärs und einer Wissenschaftlerin geborene Prochorow gilt als politischer Laie. Doch weil Prochorow der einzige «unverbrauchte» Bewerber ist, halten ihn viele in der von Putin enttäuschten Mittelschicht für wählbar.

Der schnauzbärtige SERGEJ MIRONOW (59) galt als Vorsitzender der 2006 vom Kreml gegründeten Partei Gerechtes Russland lange als staatstreuer Mitläufer. Doch in den vergangenen Monaten hat sich der frühere Fallschirmjäger wiederholt von Putin distanziert und versucht, sich als Kreml-Kritiker zu profilieren. Mironow verlor deswegen bereits den Vorsitz im Oberhaus, dem Föderationsrat. Er gab die Parteiführung ab und leitet die Fraktion von Gerechtes Russland, das sich heute als gemäßigte Oppositionskraft versteht.

Mironow ist in dritter Ehe verheiratet. 2004 hatte der am 14. Februar 1953 geborene Geophysiker bei der Präsidentenwahl gerade einmal 0,75 Prozent erreicht. Bei einem Wahlsieg will Mironow spätestens 2013 zugunsten demokratischer Reformen zurücktreten. Das dürfte ihm aber angesichts minimaler Siegchancen erspart bleiben.

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