Ruhpolding (dpa) - Es hätte der ganz große Coup werden können. Bis zum 16. Treffer lag Andreas Birnbacher auf Goldkurs - die Krönung zum König des Biathlon-Massenstarts war zum Greifen nah. Doch den viertletzten seiner 20 Schüsse setzte der 30-Jährige knapp daneben.

Somit verpasste der Schlechinger beim WM-Finale von Ruhpolding seinen ersten großen Einzeltitel. Im Sprint um die Medaillen hatte der Bayer auf der Zielgeraden dann auch gegen zwei Schweden das Nachsehen. 1,2 Sekunden fehlten auf Bronze.

Frustriert und zutiefst enttäuscht rauschte Birnbacher anschließend an den Mikrofonen vorbei. Er wollte zumindest für einen kurzen Moment erst einmal alleine sein, diese erneute Niederlage verdauen. Wenig später hatte er sich gefangen. «Heute ist noch etwas bitterer, weil es der zweite vierte Platz ist und wieder so knapp. Ich wollte so gerne eine Einzelmedaille», sagte Birnbacher. Bereits im Einzel hatte er sich mit Platz vier zufriedengeben müssen, da fehlten 0,8 Sekunden zum Medaillengewinn.

Das, was Birnbacher gerne gehabt hätte, holte sich zum Finale der WM in Ruhpolding Martin Fourcade. Trotz zweier Schießfehler schnappte sich der Franzose vor 28 000 Zuschauern in der wieder mal ausverkauften «ChiemgauArena» sein drittes WM-Gold und avancierte zum erfolgreichsten Biathleten der 45. Welttitelkämpfe. Silber und Bronze gingen an die Schweden Björn Ferry und Fredrik Lindström.

Auch die anderen Deutschen waren aussichtsreich in das spektakuläre 15-Kilometer-Rennen gestartet, hatten am Ende bei widrigen Witterungs- und Streckenbedingungen aber mit der Medaillenvergabe nichts zu tun. Arnd Peiffer (2 Fehler) wurde Siebter, Michael Greis (4) landete auf Position 22 und Simon Schempp (5) kam als 26. ins Ziel. Damit holten die deutschen Biathleten mit Bronze in der Staffel bei der Heim-WM in Ruhpolding eine Medaille.

Bundestrainer Uwe Müssiggang zog ein positives Fazit: «Die Mannschaft hat sich hier in den Tagen hervorragend präsentiert. Die Herren haben gezeigt, dass sie zur Weltspitze gehören. Sie haben dem Druck standgehalten, wenn man bedenkt, wie schwer eine Heim-WM ist.»

Der Pechvogel der WM aus deutscher Sicht heißt Andreas Birnbacher. Ein Strauchler auf der Zielgeraden kostete ihn Bronze. «Da war ich dann gleich fünf Meter weg. Ich bin schon etwas enttäuscht, aber ich kann mir trotzdem nichts vorwerfen», sagte der Schlechinger. Zumindest verteidigte Birnbacher, der in dieser Saison bereits zwei Massenstartrennen gewonnen hatte, seine Führung in der Massenstart-Weltcupwertung und kann beim Finale in einer Woche in Chanty-Mansijsk seine erste Kristallkugel gewinnen.