Ruhpolding (dpa) - In ihrem letzten WM-Rennen hat Magdalena Neuner keine Medaille gewinnen können. Die deutschen Biathleten haben bei der Heim-WM in Ruhpolding mit insgesamt fünf Medaillen trotzdem überzeugen können. Emotionaler Höhepunkt war das Staffel-Gold der Skijägerinnen.

Neuners sechs Schießfehler im Massenstart-Wettkampf am Sonntag waren zu viel. Die Wallgauerin wurde beim dritten Sieg der Norwegerin Tora Berger in Ruhpolding lediglich Zehnte. Beste Deutsche war Tina Bachmann, die trotz eines Sturzes auf Rang vier landete. Andreas Birnbacher lief als Massenstart-Vierter ebenfalls an der ersehnten Einzel-Medaille vorbei.

«Ich weiß nicht, was los war», analysierte Neuner erschöpft, «hinten raus hat mir etwas die Kraft und Konzentration gefehlt. Es war eine tolle WM, aber es ist gut, dass es vorbei ist. Vier Medaillen sind ja nicht so schlecht.» Zwölf WM-Titel, vier Silbermedaillen und eine Bronze-Medaille stehen nun in Neuners Karriere-Bilanz, ehe sie am nächsten Sonntag nach dem Weltcup-Finale in Sibirien in die Biathlon-Rente gehen wird. In Chanty-Mansijsk will die 25-Jährige zum dritten Mal den Gesamt-Weltcup gewinnen.

«Sie hat alles erreicht. Sie hat auf alles verzichten müssen, was junge Leute in ihrem Alter erlebt haben», sagte Mutter Margit in der ARD. Deshalb war ihre Tochter nach dem ganzen WM-Stress auch «nicht traurig, weil jetzt der ganze Druck von mir abfällt». Völlig ausgepumpt rollte sie über die Ziellinie. «Es war eine intensive und spannende Zeit», bilanzierte sie nur Minuten später. Nach dem emotionalen Staffel-Gold am Samstag hatte Neuner auch im Massenstart-Rennen vor dem letzten Schießen noch Medaillenchancen, ging volles Risiko, doch drei Scheiben blieben stehen.

Abgesehen von den trüben Bedingungen hatte der Sonntag vielversprechend begonnen. Eingepackt in Regenjacken, suchten Neuner und ihre Kolleginnen Schutz vor dem Schmuddelwetter. Deutschlands Singstar für Baku, Roman Lob, sang «Standing Still». Über die Video-Wand flimmerten die schönsten Augenblicke der Neuner'schen Karriere. «Bei diesem Sauwetter, solch ein Begeisterung», wunderte sich Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer über das Treiben auf den Tribünen beim Biathlon-Volksfest.

«Tschüss Lena», «Danke Lena» oder auch «Servus Lena» - die Plakate der Fans sagten alles. Entsetzen gleich beim ersten Schuss, den Neuner nicht ins Ziel brachte. Und es blieb aufregend. Im tiefen Schnee gab es eine Massenkarambolage wie sonst in der Formel 1. Andrea Henkel, am Ende 12., und Neuner kamen unbeschadet davon - Tina Bachmann ging zu Boden. Der Sturz kostete sie am Ende die verdiente Medaille.

Auch Birnbacher hatte kein Glück. Einmal mehr hätte sich der Hobby-Fischer das Gold angeln können, einmal mehr vergab der 30-Jährige im letzten Schießen den Titel. «Es ist noch etwas bitterer, weil es der zweite vierte Platz für mich ist. Wieder bin ich nur hauchdünn am Podest vorbei», sagte er. «Ich bin schon etwas enttäuscht, denn ich wollte eine Einzel-Medaille.» 1,2 Sekunden fehlten dem Schlechinger auf Bronze, 9,8 Sekunden auf Gold. Das holte sich, bereits zum dritten Mal, Martin Fourcade. «Davon habe ich mein ganzes Leben geträumt», sagte der Franzose.

Mit zusammen elf Strafrunden waren Arnd Peiffer, Turin-Olympiasieger Michael Greis und Simon Schempp im Gipfel-Treffen der besten 30 chancenlos. «Die Herren haben gezeigt, dass sie zur Weltspitze gehören. Es fehlt vielleicht noch ein ganz kleiner Schritt», sagte Chefcoach Uwe Müssiggang.

Da war das rauschende Fest der Damen schon Geschichte. Bei der letzten Siegerehrung mit deutscher Beteiligung am Samstagabend im Champions Park fassten sich Tina Bachmann, Magdalena Neuner, Miriam Gössner und Andrea Henkel an den Händen. Die Gold-Staffel sprang gemeinsam ganz oben auf das Siegerpodest. Mit riskanter Aufstellung hatten ihre Trainer hoch gepokert und alles gewonnen. «Ein Kompliment an die Truppe. Sie hat ein Riesenrennen gelaufen», lobte Müssiggang.

Nach den 4x6 Kilometern, die einem Wechselbad der Gefühle gleichkamen, stellte Deutschlands höchster Sportfunktionär Thomas Bach fest: «Was für ein grandioses Rennen. Toll, dass die Miri die Lena wieder rausgeschossen hat.» Miriam Gössner hatte allen gezeigt, dass sie doch schießen kann und so die Strafrunde der an Position zwei laufenden Neuner vergessen gemacht - Henkel brachte den Titel sicher nach Hause. «Es war ganz wichtig, für die Mädels, dass sie gezeigt haben, dass der Biathlonsport auch in Zukunft weitergeht», sagte Neuner.

Ruhpolding hat als Austragungsort auf jeden Fall neue Maßstäbe gesetzt. Noch nie nahmen so viele Nationen teil, noch nie standen so viele Zuschauer an der Strecke. «Ruhpolding ist das Mekka des Biathlons. Es war eine perfekt organisierte Veranstaltung, das Niveau ist kaum noch und nur schwer zu steigern», sagte Anders Besseberg, Präsident des Weltverbandes IBU. Fast 220 000 Zuschauer kamen. Und auch bei den Fernsehzuschauern bleiben die Skijäger die Nummer eins.