Berlin (dpa) - Sie fiel ihrer Mutter in die Arme und winkte den Fans mit einem riesigen Handschuh zu: Claudia Pechstein hat ihren ersten Weltcupsieg seit mehr als dreieinhalb Jahren verbucht.

Im Massenstart gelang ihr ausgerechnet vor heimischer Kulisse beim Weltcup-Finale in Berlin der erste Erfolg nach ihrer zweijährigen Sperre. Begeistert wurde sie von 2000 Fans für ihre 95. Podest-Platzierung im Weltcup gefeiert. «Ich habe heute Geschichte geschrieben und bewiesen, dass ich auch mit 40 noch gewinnen kann», meinte sie strahlend nach ihrem 27. Weltcup-Erfolg. Den bislang letzten hatte sie am 23. November 2008 in Moskau verbucht.

Die älteste Top-Eisschnellläuferin der Welt schönte mit dem Sieg die insgesamt ernüchternde Bilanz der Gastgeber in Berlin. Für die fünfmalige Olympiasiegerin war es in ihrem achten Langstrecken-Rennen der Saison die achte Podestplatzierung. Doch konnte auch die «Eis-Oma» nicht verhindern, dass die Deutschen erstmals seit 25 Jahren ohne Triumph im Gesamt-Weltcup blieben.

70 Mal hatten die Deutschen in der 1985/86 eingeführten Wettkampfserie den jetzt mit 15 000 Dollar dotierten Gesamterfolg davongetragen. Doch als am Samstag die Traumserie von Jenny Wolf nach sechs Erfolgen über 500 Meter riss, war klar, dass es erstmals seit 1987 nicht zu einem «Pott» reichen würde. Damit fahren die Deutschen erstmals ohne eine realistische Goldchance zur WM nach Heerenveen.

Eine Überraschung ist dies nicht. Vom Nachwuchs rückt niemand nach, so dass die Hoffnungen für die WM in zwei Wochen mit Ausnahme von Stephanie Beckert fast nur noch auf den erfahrenen Damen wie Wolf und Pechstein ruhen. Insgesamt fünf der zwölf Disziplinen musste die einstige Eisschnelllauf-Nation Deutschland beim Heimspiel vor über 5000 Besuchern gänzlich unbesetzt lassen. «Wir reihen uns ein in die Vielzahl Nationen, die nur noch punktuell die Weltspitze bestimmen. Zu viele Karriere-Abbrüche und Rückschläge durch Krankheiten haben uns in der Breite geschwächt», bestätigte DESG-Präsident Gerd Heinze.

Angesichts dieser Stagnation ist es eine echte Überraschung, dass Pechstein ihre Position in der Weltspitze in ihrer ersten kompletten Saison nach Ablauf ihrer Zwei-Jahres-Sperre halten konnte: Seit zehn Jahren war sie im Weltcup nicht so erfolgreich wie in diesem Jahr. «Es war heute ein kurioses Rennen. Unterwegs sind wir fast stehen geblieben. Aber am Ende hat sich mein Schlussspurt gelohnt», meinte Pechstein, die damit Platz zwei im Gesamtklassement einnahm und gemeinsam mit dem dritten Rang über die Langstrecken 8000 Dollar Preisgeld kassierte.

Olympiasieger Shani Davis feierte in Berlin seinen neunten Erfolg im Gesamtweltcup. Der Amerikaner gewann beim Weltcup-Finale die 1000 Meter in 1:09,24 Minuten und sicherte sich damit zum fünften die Gesamtwertung auf dieser Distanz. Zwischen 2007 und 2011 hatte er zudem die Gesamtwertungen über 1500 Meter für sich entschieden. Lokalmatador Samuel Schwarz kam in Berlin in 1:10,30 Minuten nicht über Rang zwölf hinaus und fiel in der Gesamtabrechnung noch auf Platz sieben zurück.