Köln (dpa) - Nach dem Abpfiff schien noch alles beim Alten. Lächelnd machte sich Volker Finke von der Ehrentribüne auf den Weg in die Kabine, um den Profis zum 1:0 im Abstiegskampf über Hertha BSC zu gratulieren. Wenige Stunden später war er seinen Sportdirektor-Job beim 1. FC Köln los.

Im Anschluss an eine Gesellschafterversammlung erklärte der Club die rund 13 Monate währende Zusammenarbeit für beendet. «Weder der Trainer noch Finke wussten vor dem Spiel irgendetwas von dieser Entscheidung», kommentierte FC-Geschäftsführer Claus Horstmann.

So ungewöhnlich der Zeitpunkt auch war, kam die Trennung von Finke nicht überraschend. Schließlich hatte sich das Verhältnis zwischen dem vertraglich bis Sommer 2013 gebundenen Sportdirektor und Coach Stale Solbakken in den vorigen Wochen kontinuierlich verschlechtert. Und weil beide Seiten ihren Zwist zuletzt sogar öffentlich ausgetragen und damit zur miserablen Außendarstellung des Vereins beigetragen hatten, sah sich die Clubführung zu diesem Schritt gezwungen.

«Wir denken, dass wir durch diese Entscheidung Klarheit geschaffen haben, weil einiges verworren war», sagte der ungewöhnlich gut gelaunte Verwaltungsratschef Werner Wolf am Sonntag in einer gemeinsamen Presserunde mit Finke im Geißbockheim. Nachfragen der Medienvertreter waren allerdings nicht erwünscht. «Ich bitte Sie, mich zu respektieren, wenn ich wie die drei Affen nichts höre, nichts sehe und nichts sagen werde», betonte Finke zum Schluss seiner kurzen Erklärung mürrisch.

Das Ende der Zusammenarbeit mit Finke soll nach Einschätzung von Wolf dazu beitragen, dass sich die Mannschaft ohne weitere Störgeräusche auf den Kampf um den Klassenerhalt konzentrieren kann: «Wesentlich ist, dass man durch diese Entscheidung auch die Konzentration wieder herstellen kann.»

Damit geht Solbakken als Sieger aus dem internen Machtkampf hervor. Die Kontakte zwischen dem Coach und Finke hatten sich zuletzt auf das Nötigste beschränkt. Von der Harmonie im Sommer, als der Sportdirektor den Norweger als seinen Wunschtrainer vorgestellt hatte, war wenig geblieben. Selbst innerhalb der Mannschaft soll es eine Pro-Finke- und eine Pro-Solbakken-Fraktion gegeben haben. Die laut Vereinsmitteilung einvernehmliche Trennung kommentierte Finke zumindest nach Außen ohne Groll: «Es war ein interessantes Jahr, nie langweilig. Auch wenn ich ab und zu der Bad Guy war, konnte ich damit leben.»

Die Trennung von Finke rundet das Bild von einem Krisenclub ab. Schließlich suchen die Kölner nicht nur einen neuen Sportdirektor, sondern auch noch einen neuen Präsidenten. Seit dem Rückzug von Wolfgang Overath im November hält Claus Horstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung, Ausschau nach einem geeigneten Kandidaten. Darüber hinaus verliert der FC mit Podolski im Sommer eine weitere Identifikationsfigur. Sein Wechsel zum FC Arsenal gilt als perfekt, obwohl der Publikumsliebling auch am Samstag eine Einigung mit dem englischen Spitzenclub bestritt.

Mit dem Amtsantritt von Finke im Februar 2011 war in Köln die Hoffnung auf bessere Zeiten verbunden. Der langjährige Trainer des SC Freiburg, der nach einem Gastspiel in der japanischen J-League in die Bundesliga zurückkehrte, galt als Mann für erfolgsversprechende und nachhaltige Konzepte. «Wir hatten gehofft, mit den Fachleuten Finke und Solbakken die Ideallösung gefunden zu haben. Deshalb ist die Trennung bedauerlich», sagte Geschäftsführer Horstmann in einem Interview des Senders Sport1.

Über die Nachfolge für Finke soll in Ruhe entschieden werden. «Da geht Qualität vor Zeit. Es gibt keinen Grund, das innerhalb weniger Wochen zu tun», erklärte Horstmann. Als Kandidat wird Andreas Rettig gehandelt. Allerdings wäre der einstige Kölner Manager wohl erst im Sommer zu haben: «Mich interessiert nur Augsburg», sagte Rettig der «Bild am Sonntag» mit Verweis auf seinen bis Saisonende laufenden Vertrag beim Aufsteiger.