Belgrad (dpa) - Mit dem Titelgewinn hat Ringer Frank Stäbler bei den Europameisterschaften in Belgrad einen genialen Schlusspunkt für das deutsche Team gesetzt.

Der bereits im Vorfeld für Olympia in London qualifizierte 66-Kilogramm-Athlet aus Musberg glänzte im griechisch-römischen Stil mit beeindruckender Stärke. Im Finale siegte er gegen den Rumänen Georgian Carpen nach 2:0-Runden (3:0, 1:0) und schraubte die deutsche Bilanz auf drei Medaillen. Zuvor hatten Jaqueline Schellin und Alexandra Engelhardt bei den Frauen jeweils Bronze erkämpft.

«Unglaublich dieser Kerl, das war eine Fabelleistung», sagte Neu-Bundestrainer Jannis Zamanduridis, der bei seinen ersten Titelkämpfen als Nachfolger von Maik Bullmann gleich auf Anhieb einen Titel feiern konnte. Immerhin lag der letzte EM-Titel der deutschen Klassiker schon eine Weile zurück: 1994 holte Thomas Zander in Athen EM-Gold. Belgrad erwies sich erneut als Glücksbringer, denn 2003 hatte Mirko Englich schon EM-Silber gewonnen.

Stäbler hatte zuvor im Halbfinale gegen den serbischen Lokalmatadoren Alexandar Maksimowic eine Meisterleistung abgeliefert, als er fünf Sekunden vor Schluss seinen Gegner mit einem Hechtsprung überraschte und den Kampf trotz Rückstandes mit einem Wurf noch drehte. «Das war der Knackpunkt, danach war ich so heiß, da konnte mich niemand mehr stoppen», meinte Stäbler, der nun mit enorm breiter Brust in London auf die olympische Matte gehen kann.

Schon im Viertelfinale gelangen Stäbler gegen Hugo Da Silva Passos aus Portugal schöne Aktionen, die zum klaren 2:0-Rundenerfolg führten. Nach seinem Auftaktsieg gegen den Letten Sergejs Mironows in 2:0-Runden (3:0, 6:0) schulterte der Schwabe im Achtelfinale Ove Günther aus Schweden.

Nach Jahren der Enttäuschung hat sich die Verjüngungskur bei den deutschen Ringern bezahlt gemacht. «Das Vertrauen wurde teilweise zurückgezahlt, wir haben mit dieser EM ein deutliches Zeichen gesetzt», erklärte Manfred Werner, Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), der am Samstag auch das starke Auftreten von Oliver Hassler verfolgte. Den 96-Kilogramm-Mann stürmte bis ins kleine Finale, unterlag aber gegen den Ukrainer Sergej Rutenko. «Hassler hatte davor mit seinem Sieg über den Russen Rustam Totrow gezeigt, dass er in der Lage ist, Spitzenringer zu besiegen», sagte Bundestrainer Zamaduridis.

Schon vor dem Titelgewinn von Stäbler war das junge DRB-Team genauso erfolgreich wie es die Routiniers bei der Heim-EM im Vorjahr in Dortmund waren, wo es durch Freistilringer Saba Bolaghi und Yvonne Englich zwei dritte Plätze gegeben hatte. Diesmal gingen die Freistilringer leer aus. «Tim Schleicher, Martin Daum und Nick Matuhin haben sich mit starken Leistungen gegen Weltklasseringer bewährt. Gerade die Kämpfe von Schleicher stimmen für die Olympia-Qualifikationsturniere im April und Mai optimistisch. Auch Matuhin hat gezeigt, dass er zur Weltspitze dazugehört», bilanzierte Freistil-Bundestrainer Alexander Leipold.

Sein Pendant für den weiblichen Bereich, Jörg Helmdach, war nach den zwei dritten Plätzen zufrieden. Einige Erwartungen wurden aber nicht erfüllt. «Ich habe bei der Einschätzung ein lachendes und ein weinendes Auge. Jaqueline Schellin und Alexandra Engelhardt haben ihre Leistungen mit Medaillen belohnt, auf der anderen Seite hat Aline Focken als Junioren-WM-Zweite des Vorjahres bei den Frauen noch nicht richtig Fuß gefasst. Unsere Küken Eileen Friedrich und Kathrin Neumaier haben ebenso gemerkt, dass bei den Frauen die Trauben weitaus höher hängen als bei den Juniorinnen.»