Bratislava (dpa) - Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Euro-Land Slowakei hat die sozialdemokratische Opposition nach ersten Prognosen gewonnen, aber weniger deutlich als erwartet.

Die Partei Smer-Sozialdemokratie des früheren Ministerpräsidenten Robert Fico erreichte nach zwei Nachwahlbefragungen zwischen 37 und 39 Prozent der Stimmen. Damit wäre sie zwar mit Abstand stärkste Partei im Parlament, aber ohne absolute Mehrheit.

Wahlsieger Fico kündigte nach Vorliegen der ersten Prognosen an, er wolle alle Parteien, die die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament geschafft hätten, zu einem «Runden Tisch» einladen. Seine künftige Regierung werde «eindeutig pro-europäisch sein», sagte er der dpa. Fico hatte von 2006 bis 2010 als Chef einer umstrittenen Koalition mit zwei rechtspopulistischen Parteien regiert.

Die Wahlen waren von einer riesigen Korruptionsaffäre überschattet, in die vor allem die größte der bisherigen Regierungsparteien verwickelt gewesen war. Die SDKU des christlich-liberalen Außenministers Mikulas Dzurinda verlor bei der Wahl am Samstag stark, verbleibt aber entgegen den schlimmsten Prognosen zumindest im Parlament.

Die Neuwahlen waren nötig geworden, weil die christlich-liberale Ministerpräsidentin Iveta Radicova eine Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm EFSF mit der Vertrauensfrage verbunden und verloren hatte. Radicova kandidierte nicht mehr.

Sie will nach einer neuen Regierungsbildung aus ihrer Partei austreten und die Politik verlassen, um einen Lehrauftrag für Soziologie in Oxford anzunehmen. Diesen Beruf hatte sie schon vor ihrem Einstieg in die Politik in Bratislava ausgeübt. Radicova hatte wesentlich zur Aufdeckung des Korruptionsskandals beigetragen, obwohl sie damit vor allem ihre eigene Partei SDKU belastete.

Offizielle Angaben über die Wahlbeteiligung lagen bis Mitternacht nicht vor. Beobachter stimmten aber darin überein, dass die Wahlbeteiligung wohl niedriger als bei früheren Wahlen, aber nicht so niedrig gewesen sein dürfte wie befürchtet. In Prognosen war wegen der Korruptionsaffäre ein Absturz der Wahlbeteiligung auf unter 50 Prozent nicht ausgeschlossen worden.

Slowakisches Parlament