Islamabad (dpa) - Nach mehr als acht Monaten Geiselhaft sind zwei von den pakistanischen Taliban festgehaltene Schweizer wieder frei. Das Ehepaar sei in Sicherheit, sagte Armeesprecher Athar Abbas. Den Schweizern sei im Stammesgebiet Nord-Waziristan die Flucht gelungen.

Aus Geheimdienstkreisen hieß es dagegen, die Taliban hätten die Geiseln nach einer Übereinkunft mit der Schweizer und der pakistanischen Regierung freigelassen.

Ein pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, sagte: «Von der Schweizer Regierung wurde Lösegeld gezahlt, aber es ist nicht klar, in welcher Höhe. Die pakistanische Regierung ließ Gefangene frei, aber es ist nicht klar, wie viele.» Die Schweizer Touristen waren im vergangenen Juli im Südwesten des Landes verschleppt worden.

Weiterhin sind in Pakistan ein deutscher, ein italienischer und ein amerikanischer Entwicklungshelfer verschleppt. Der Deutsche und der Italiener waren im Januar entführt worden. Die Taliban teilten im vergangenen Monat mit, die Europäer befänden sich in ihrer Gewalt.

Im August vergangenen Jahres war ein amerikanischer Entwicklungshelfer in der ostpakistanischen Metropole Lahore Opfer einer Entführung geworden. Al-Kaida teilte danach mit, der US-Bürger befinde sich in der Gewalt des Terrornetzes. Über das Schicksal eines im Januar in der südwestpakistanischen Stadt Quetta entführten britischen Rot-Kreuz-Mitarbeiters ist nichts bekannt.

Die beiden Schweizer, bei denen es sich um Polizisten handelt, waren Ende Juni vergangenen Jahres als Urlauber mit ihrem eigenen Fahrzeug aus Indien kommend nach Pakistan eingereist. Sie waren auf dem Rückweg nach Europa und wollten ihre Fahrt durch den Iran und die Türkei fortsetzen. Anfang Juli wurden sie in der unruhigen Provinz Baluchistan entführt, die an den Iran angrenzt.

Die Taliban (Tehrik-e-Taliban Pakistan/TTP) verschleppten die Geiseln ins Stammesgebiet Nord-Waziristan an der afghanischen Grenze. Im Oktober veröffentlichten die Taliban Videos, auf denen die Schweizer in Todesangst um die Erfüllung der Forderungen baten. Die Frau sagte auf einem der Bänder: «Sie sagen, dass sie uns erschießen. (...) Wir haben Angst, dass wir die Schweiz nie mehr sehen.»

Armeesprecher Abbas sagte, die Schweizer hätten nach der Flucht einen Checkpoint des Militärs in Nord-Waziristan erreicht. Sie würden nun befragt. An der Darstellung des Militärs, wonach die Geiseln geflohen seien, herrschten Zweifel. Eine Flucht vor den Taliban in der Extremisten-Hochburg dürfte außerordentlich schwierig sein.

In den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes wird die Sicherheitslage in Pakistan als schwierig bezeichnet. Das Ministerium warnt ausdrücklich vor Reisen nach Baluchistan.