Indian Wells (dpa) - Sie schlug die Hände vor’s Gesicht, riss den Mund weit auf und konnte ihr Glück kaum fassen. Angelique Kerber sorgt beim Tennisturnier in Indian Wells weiterhin für Furore und steht als erste Deutsche seit Steffi Graf 1999 im Halbfinale.

Nach einer starken Leistung kam die Kielerin zu einem ebenso verdienten wie unerwartet klaren 6:4, 6:2-Viertelfinalsieg gegen French-Open-Champion Li Na aus China. «Mein Ziel war es eigentlich, nur von Runde zu Runde zu spielen. Ich bin glücklich, jetzt bei einem so großen Turnier im Halbfinale zu sein», sagte Kerber. Für sie war es der erste Sieg gegen Na und bereits der vierte Halbfinaleinzug in diesem Jahr.

Nachdem die 24-Jährige bei ihren beiden Dreisatz-Siegen zuvor in der kalifornischen Wüste insgesamt fünf Matchbälle abwehrte, musste sie diesmal nie zittern. In beiden Sätzen lag die Halbfinalistin der US Open jeweils mit 5:2 vorn. Im ersten Durchgang gab sie anschließend ihr Service ab, und Na kam auf 4:5 heran. Als ein Vorhandschlag der Weltranglisten-Achten jedoch im Seitenaus landete, hatte Kerber nach 47 Minuten den Satz gewonnen.

Die Linkshänderin hatte sich vorgenommen, «die Bälle tief in ihre Hälfte zu schlagen, mich nur auf mich zu fokussieren und aggressiv zu sein». Gesagt, getan. Sie spielte häufig auf Nas schwache Vorhandseite und zwang die Chinesin zu Fehlern. Spielentscheidend war, als die Nummer 19 der Welt im zweiten Satz Na das Service zur 3:2-Führung abnahm und bei ihrem anschließenden Aufschlagsspiel vier Breakbälle abwehren konnte. Somit war der Widerstand der Chinesin gebrochen, nach 84 Minuten war das Match vorbei.

Im Halbfinale der mit 5,5 Millionen Dollar dotierten Veranstaltung wartet mit Victoria Asarenka nun die deutsche Angstgegnerin. Die Weltranglisten-Erste aus Weißrussland hat die Australian Open gewonnen, 2012 in bisher 21 Matches stets gesiegt und auf dem Weg in die Vorschlussrunde mit Mona Barthel und Julia Görges bereits zwei Kolleginnen von Kerber bezwungen. «Ich habe nichts zu verlieren, werde einfach rausgehen, versuchen, mein Spiel zu spielen, und vielleicht bin ich ja die Erste, die sie besiegt», betonte Kerber.

Sie will sich zuvor mit Görges kurzschließen. «Ich werde mal ein bisschen mit Julia sprechen, und ich hoffe, sie wird mir ein paar Tipps geben, die mir helfen können, Asarenka zu schlagen», so Kerber. Vielleicht sollte sie auch mit Kristina Barrois Kontakt aufnehmen. Die Saarländerin war die bislang letzte Deutsche, die gegen Asarenka nach einem kompletten Match als Siegerin vom Platz ging - das war allerdings schon 2006.

Über drei Sätze mussten in den Achtelfinals der Herren zwei Topstars gehen. Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic aus Serbien brauchte 2:16 Stunden, um sich gegen den Spanier Pablo Andujar mit 6:0, 6:7 (5:7), 6:2 durchzusetzen. Roger Federer aus der Schweiz hatte beim 3:6, 6:3, 6:4-Erfolg gegen Thomaz Bellucci aus Brasilien reichlich Probleme. Dagegen kam Rafael Nadal gegen Alexander Dolgopolow aus der Ukraine mit 6:3, 6:2 problemlos weiter.