Peking (dpa) - Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich vorsichtig optimistisch zur konjunkturellen Entwicklung geäußert. Die Weltwirtschaft stehe nicht mehr direkt am Abgrund, sagte Christine Lagarde am Sonntag auf dem «China Entwicklungsforum 2012» in Peking.

Gleichzeitig warnte die IWF-Chefin aber vor einem «trügerischen Gefühl der Sicherheit». Noch immer gebe es Risiken, etwa die Fragilität der Finanzsysteme und die hohe staatliche und private Verschuldung in den entwickelten Ländern. Weitere Schlüsselrisiken seien mittelfristig ein Wachstumseinbruch in den Schwellenländern sowie der steigende Ölpreis.

Zwar gebe es im Vergleich zu dem «düsteren» Ausblick für die Weltwirtschaft, der noch vor wenigen Monaten vorherrschte, nun «Zeichen der Stabilisierung», so Lagarde. Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise in Europa zeigten erste Wirkung und die jüngsten Wirtschaftsindikatoren - auch in den USA - seien positiv, sagte die IWF-Chefin.

Doch global gebe es weiter «entscheidende wirtschaftliche und finanzielle Schwachstellen». So werden in der Eurozone 23 Prozent des Bruttoinlandsproduktes alleine für den Schuldendienst im öffentlichen Sektor und für die Banken aufgewandt, warnte Lagarde. «Erneuter Druck in einem dieser Bereiche könnte den Druck im anderen verstärken und zu viel größeren und längeren Kontraktionen von Kreditmenge und Wirtschaftsleistung führen», sagte sie.

Die IWF-Chefin lobte China für seine konjunkturfördernden Maßnahmen, die zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beigetragen hätten. Wichtig sei es aber nun, dass China weiterhin die heimische Wirtschaft mit «bescheidenen» Finanzspritzen unterstütze und im Binnenkonsum einen neuen Antrieb für weiteres Wachstum finde, sagte Lagarde. Die heutigen Risiken für die Weltwirtschaft seien «eindeutig global», schloss sie. «Wir sind alle miteinander verknüpft und wir sind alle vom politischen Handeln der anderen betroffen.»

Rede Lagardes