Melbourne (dpa) - Sebastian Vettel reckte die Trophäe für den zweiten Platz beim Großen Preis von Australien wie einen Siegerpokal in die Luft. Doch schon am kommenden Sonntag in Malaysia will der Red-Bull-Pilot die alten Kräfteverhältnisse in der Formel 1 wiederherstellen.

«Uns gefällt das nicht, wenn uns McLaren auf der Nase rumtanzt», betonte der Doppelweltmeister. Der überlegene Sieger Jenson Button und dessen Landsmann und McLaren-Kollege Lewis Hamilton auf Platz drei hatten den Heppenheimer zum Saisonauftakt in Melbourne in die Zange genommen. Neidlos erkannte Vettel aber auch an: «Jenson ist ein fantastisches Rennen gefahren. Er war heute unschlagbar.»

Für Vettel war die Ausbeute nach dem schlechtesten Startplatz seit weit über einem Jahr fast optimal. Kumpel Michael Schumacher konnte hingegen aus seiner besten Qualifikation seit der Rückkehr in die Königsklasse des Motorsports keinen Profit schlagen. Sein Mercedes ließ ihn auf Platz drei liegend und ausgerechnet im Zweikampf mit Verfolger Vettel im Stich - Getriebeschaden. «Du bist dann plötzlich wie beim Leerlauf. Dann geht's dahin», erklärte Schumacher. Dahin war auch die Hoffnung auf Schumachers ersten Podiumsplatz im Silberpfeil.

Zu allem Mercedes-Leid fiel Teamkollege Nico Rosberg in der letzten von 58 Runden auf dem 5,303 Kilometer langen Kurs im Albert Park von Melbourne vom bereits enttäuschenden achten auf den zwölften Rang zurück. Zuerst hatte er mit dem Reifenverschleiß des zweifelsohne stark verbesserten F1 W03 zu kämpfen, dann schlitzte ihm Sergio Perez aus Mexiko mit seinem Sauber auch noch einen Reifen auf. «Wir sind hier sicherlich angetreten, um einen besseren Job zu machen», gab Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zu.

Als 14. ins Ziel kam Timo Glock, der mit diesem Resultat in seinem neuen Marussia-Rennwagen einen erfreulichen 30. Geburtstag feiern durfte. Dagegen war für Nico Hülkenberg schon nach der ersten Runde wegen eines Defekts an seinem Force India Schluss.

Auch bei Vettel lief am ersten von 20 Rennwochenenden nicht alles nach Plan. Als es aber drauf ankam, betrieb der 24 Jahre alte Hesse weit mehr als nur Schadensbegrenzung. «Nach dem vielleicht nicht so perfekten Tag gestern war das unser Maximum», sagte Vettel, nachdem er als Sechster hatte starten müssen.

Als um 17.03 Uhr Ortszeit die Roten Ampeln das erste Mal in dieser Saison erloschen, legte Vettel gleich mächtig los. Noch besser machte es aber Nico Rosberg, der an Vettels Seite vorbeirauschte. Der Wiesbadener holte von Startrang sieben mächtig auf, Schumacher schob sich sogar auf Rang drei. Kurz danach kassierte Vettel dann Rosberg wieder ein. Spektakulär. «Das war letzte Rille», gab Vettel zu.

Ganz vorne konnte Hamilton im Stallduell seine Pole Position nicht verteidigen. Button übernahm die Führung und fuhr unbeirrt seinem dritten Sieg in Melbourne nach 2009 und 2010 entgegen. «Was für eine perfekte Art, das Jahr zu starten», schwärmte Button und verriet auch gleich noch sein Sieggeheimnis in Down Under: «Ich habe in all den drei Jahren immer das gleiche Schlafzimmer gehabt.»

Für Button war es der insgesamt 13. Sieg in seiner Karriere. 2009 hatte er in Australien den Grundstein für den späteren Titelgewinn im BrawnGP gelegt. «Eine weltmeisterliche Leistung», kommentierte Teamchef Martin Whitmarsh den souveränen Auftritt am Sonntag. «Sie sind es, die es im Moment zu schlagen gilt», meinte Vettel mit Blick auf das erwartet starke McLaren-Duo.

Spürbar war im Red-Bull-Lager allerdings auch die Erleichterung, dass Vettel mit Hamilton fertig wurde, wenngleich ihm dabei die einzige Safety-Car-Phase half. «Jetzt ist es ein toller Start für die Saison», befand Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Mark Webber belegte im zweiten Wagen des Titelverteidigers Platz vier.

Dahinter reihte sich nach einer beeindruckenden Vorstellung von Startplatz zwölf aus der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso im Ferrari ein. Ex-Champion Kimi Räikkönen wurde bei seinem ersten Grand Prix nach zwei Jahren im Lotus Siebter.

Vettel machte unterdessen dort weiter, wo er die vergangene Saison beendet hatte. «Hier mit dem zweiten Platz wegzukommen, darauf bin ich sehr stolz», betonte er. Gleichwohl führt er zum ersten Mal seit dem vorletzten Rennen der Saison 2010 nicht das Klassement an. Bereits am kommenden Sonntag beim Großen Preis von Malaysia könnte sich das aber schon wieder ändern. «Wir haben einiges gelernt an diesem Wochenende. Malaysia wird ganz anders», kündigte Horner an.