Kaiserslautern (dpa) - Um halb vier erwarteten Fans und Journalisten Marco Kurz erstmals diese Woche auf dem Trainingsplatz, eine halbe Stunde vorher gab der 1. FC Kaiserslautern die Trennung von seinem Chefcoach bekannt.

Fast zwei Tage hatten die Verantwortlichen beim Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga mit sich gerungen. «Nach der 1:4-Niederlage gegen den FC Schalke 04 und vielen intensiven Gesprächen sind wir zu der gemeinsamen Überzeugung gekommen, dass wir diesen Schritt vollziehen müssen», sagte Vorstandschef Stefan Kuntz in einer Presseerklärung nach der siebten Trainerentlassung in dieser Erstligasaison.

«Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viele verschiedene Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Mannschaft in die Erfolgsspur zu bringen. Leider ist uns dies nicht gelungen», erklärte Kuntz weiter. Wie der Verein mitteilte, betreuen zunächst Co-Trainer Oliver Schäfer und Torwart-Trainer Gerry Ehrmann die Mannschaft. Ein neuer Chefcoach soll «kurzfristig» vorgestellt werden. Im Gespräch beim vierfachen deutschen Meister ist unter anderem der Ex-Lauterer Franco Foda, der beim österreichischen Erstligisten Sturm Graz zum Saisonende seinen Ausstieg angekündigt hat.

Am Samstag tritt das seit 16 Spielen sieglose Schlusslicht ausgerechnet beim SC Freiburg an, der fünf Punkte vor dem FCK auf dem Relegationsplatz liegt. Dem Traditionsclub droht der dritte Bundesliga-Abstieg nach 1996 und 2006.

Der 42-Jährige Kurz, dessen Vertrag bis zum 30. Juni 2013 läuft, hatte die «Roten Teufel» 2010 als Zweitliga-Meister zurück in die Bundesliga und in der vergangenen Saison auf einen beachtlichen siebten Platz geführt. «Dieser Schritt fällt uns allen nun sehr schwer, denn Marco Kurz hat sich immer komplett in den Dienst der Sache und des Vereins gestellt», erklärte Kuntz. «Marco Kurz verdient für seine Arbeit und charakterliche Integrität den höchsten Respekt und Anerkennung. Um aber wirklich jede denkbare Möglichkeit für den Klassenerhalt ausgeschöpft zu haben, müssen wir diesen Weg gehen.»

Der FCK hatte gegen Schalke einen desolaten Eindruck hinterlassen, dennoch konnte und wollte sich Kuntz nach dem «Tiefpunkt der Saison» nicht von Emotionen leiten lassen und kündigte eine umfangreiche Analyse an. Noch am Montag hatte Kurz das Regenerationstraining hinter verschlossenen Türen im Fritz-Walter-Stadion geleitet.

Immer lauter wird auch die Kritik am Vorstandsvorsitzenden Kuntz: Der Ex-Nationalstürmer hatte vor knapp vier Jahren die Verantwortung übernommen, als der FCK kurz vor dem Fall in die 3. Liga und der Insolvenz stand. Mit strengem Sparkurs brachte er den Club wieder auf Kurs.

Mit einem Mini Spieler-Etat von 16 Millionen Euro und der Belastung von jährlich etwa zehn Millionen für das Fritz-Walter-Stadion hat Kuntz stark eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten. Der einstige Bundesliga-Torschützenkönig bewies zuletzt aber auch kein Händchen mehr bei den Neueinkäufen: Die Abgänge vor allem von Torjäger Srdjan Lakic (VfL Wolfsburg/jetzt 1899 Hoffenheim) und Ivo Ilicevic (Hamburger SV) konnten nie kompensiert werden. Vor allem im Angriff - mit 17 Toren der mit Abstand der schwächste der Liga - fand Kurz einfach keine Lösung - das kostete ihn letztendlich den Job.