Neufahrn (dpa) - Der Neustart der Großbäckerei ist weiter ungewiss. Acht Wochen nach der Schließung wegen haarsträubender Hygienemängel hat die Lebensmittelaufsicht die Produktion im Münchner Vorort Neufahrn den ganzen Montag lang unter die Lupe genommen.

Überraschend verkündeten sie aber noch kein Ergebnis. Die Auswertung der gesammelten Daten bei den Ämtern und die Abstimmung mit dem bayerischen Umweltministerium dauere länger als geplant, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl am späten Abend.

«Es ist ein Mengenproblem. Wir haben keinerlei Tendenz oder Hinweise bekommen, dass es in die eine oder andere Richtung geht», betonte er. Er hoffe weiterhin, am Mittwoch wieder mit der Produktion von Brezeln und Semmeln starten zu können - allerdings in viel kleinerem Umfang als vor dem Skandal.

Sobald die Freigabe erteilt wurde, will Ampferl mit fünf potenziellen Investoren weiter über die Übernahme der Backfabrik und des Filialnetzes verhandeln. Die Zeit drängt. Die 1250 Mitarbeiter bekommen nur noch bis 31. März Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit.

Die Lebensmittelkontrolleure hatten bei Müller-Brot seit 2009 immer wieder Ungeziefer, Mäusekot und Dreck entdeckt und die Fabrik am 30. Januar dieses Jahres schließlich vorerst stillgelegt. Zwei Wochen später meldete der bisherige Haupteigentümer Klaus Ostendorf Insolvenz an.

Ampferl sagte, inzwischen seien Böden und Leitungen erneuert, Wände gefliest und sämtliche Maschinen zerlegt und gereinigt worden. «Alles bis in die letzte Ritze ist jetzt sauber geputzt.» Das Mehl sei schon bestellt, die Lieferanten stünden Gewehr bei Fuß.

Aber bei dem erhofften Neustart müsse Müller-Brot auch «abwarten, wie die Verbraucher reagieren - wie lange es dauert, bis wir das Vertrauen wieder zurückgewinnen», erklärte der Insolvenzverwalter. Der Lebensmittel-Einzelhandel habe zwar prinzipiell Interesse an einer neuen Zusammenarbeit signalisiert, aber in den nächsten Wochen sei das «noch kein Thema».

Lidl und Aldi-Süd hatten die Geschäftsbeziehungen zu Müller-Brot gekappt, als der Hygieneskandal aufgeflogen war. Mehr als 20 andere Bäckereien hatten seit Januar für die Müller-Brot-Filialen gebacken, aber die Pächter hatten über massive Umsatzeinbrüche berichtet. Künftig lasse sich das Geschäft «nur auf Basis einer handwerklichen Größenordnung von etwa 40 Millionen Euro» Umsatz statt bisher knapp 120 Millionen Euro fortführen, sagte Ampferl der «Süddeutschen Zeitung» (Dienstag).

«Die Beschäftigten haben große Angst und Sorge», sagte Betriebsbetreuer Mustafa Öz von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). «Ab 1. April ist nicht klar, wie die Löhne bezahlt werden sollen.» Im schlimmsten Fall würden sie sofort freigestellt und müssten Arbeitslosengeld beantragen. Dass ein Investor alle 1250 Beschäftigten in der Backfabrik und in den Filialen übernehme, sei unwahrscheinlich.

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