Salzburg (dpa) - Wehmut und Aufbruchsstimmung: Die Osterfestspiele Salzburg stehen vor einer Zeitenwende. Zum letzten Mal sind die Berliner Philharmoniker bei dem Nobelfestival als Opernorchester zu erleben. Zum Abschied geben die Berliner unter Simon Rattle Bizets Oper «Carmen» in Starbesetzung mit Magdalena Kozena und Jonas Kaufmann. Das verspricht «allerhöchstes musikalisches Niveau», freut sich der Festspiel-Intendant Peter Alward.

«Ich würde aber lügen, wenn nicht Wehmut mitschwingen würde», gesteht Alward gegenüber der Nachrichtenagentur dpa ein. Schließlich ist es das Ende einer Ära, und ganz streng genommen sogar das Ende der Gründungsphilosophie - auch wenn mit Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle Dresden würdige Nachfolger gewonnen wurden. Denn Herbert von Karajan hatte das Festival 1967 für «seine» Berliner Philharmoniker maßgeschneidert, die zu Ostern in Salzburg exklusiv als Opernorchester auftreten sollten.

Diese Exklusivität macht die Aura des Nobelfestivals bis heute aus und sichert ihm eine so treue wie finanzstarke Fangemeinde. Dem Förderverein gehören manche Mitglieder seit der Gründung an. Der Verein ist nach wie vor maßgebliche Säule der Festspiele, die sich bei Abo-Preisen bis zu 1230 Euro - für Oper und drei Konzerte - zu 92 Prozent selbst tragen.

Doch aus Sicht des ausführenden Orchesters wurde gerade dieses exklusive Konzept zu einem Korsett. Dazu kamen zunehmend murrende, kritische Stimmen über fehlende Innovationen bei dem konservativen, nach anderer Lesart auch angestaubten Festival. Der Schwung war raus, und kein neuer Weg mehr möglich - bei bestem Willen aller Beteiligten, wie immer versichert wird.

Dass sich das Orchester unter Sir Simon Rattle dann dem Lockruf Baden-Badens hingab und Salzburg im vergangenen Mai in einer kurzen Mitteilung über den bevorstehenden Abgang informierte - das will Intendant Alward nun nicht noch einmal aufkochen: «Was geschehen ist, ist geschehen, da muss man einen Schlussstrich ziehen», meint er mit Blick nach vorne, und schickt einen Willkommensgruß an den künftigen Chefdirigenten: «Die Welt ist groß genug für Thielemann und Rattle.»

Tatsächlich sieht es letztlich nach einem Gewinn für alle Beteiligten aus. Denn während sich Baden-Baden mit seinem Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser auf Dirigent Rattle und ein hoch motiviertes Festivalorchester freuen kann, gilt Pultstar Thielemann mit den Dresdnern seinerseits als großer Wurf für Salzburg.

Bereits bei den Festspielen im vergangenen Sommer wurde der 52-Jährige für sein Dirigat bei Richard Strauss' «Frau ohne Schatten» bejubelt. In Salzburg tritt er im kommenden Jahr auch noch in seiner Spezialdisziplin an: Für die erste Saison ist im Wagner-Jahr 2013 «Parsifal» geplant. Auch Neuerungen sollen einziehen an der Salzach. So ist, als Zugeständnis an die weniger finanzstarken Musikfreunde, ein «Konzert für Salzburg» mit deutlich niedrigeren Eintrittspreisen vorgesehen.

Zurücklehnen kann sich Intendant Alward allerdings noch lange nicht. Denn da ist noch der Finanzskandal, über den Alwards Vorgänger Michael Dewitte 2010 stolperte. Der damalige Geschäftsführer und sein Technikchef sollen über Jahre hinweg insgesamt 3,1 Millionen Euro unterschlagen haben. Es laufen Prozesse und Ermittlungen auf unterschiedlichen Ebenen, die Staatsanwaltschaft hat noch nicht einmal Anklage erhoben.

Von diesem Samstag an, wenn die «Berliner» im Großen Festspielhaus «Carmen» anstimmen, soll aber erst einmal die Musik den Ton angeben. Magdalena Kozena wird, wie schon verlautete, eine kämpferische Carmen abgeben. Und zum Abschied der Berliner aus Salzburg will Regisseurin Aletta Collins eine bunte, bewegte Inszenierung schaffen.

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