Havanna (dpa) - Zum Abschluss seiner Kubareise hat Papst Benedikt XVI. bei einer Messe in Havanna volle Religionsfreiheit und die Anerkennung der katholischen Kirche in dem kommunistischen Land verlangt.

Erste Schritte seien von Kubas Führung schon getan worden, sagte Benedikt in seiner Predigt vor Hunderttausenden Gläubigen auf dem historischen Platz der Revolution. Die Behörden verhinderten die Teilnahme von Dissidenten und Regimekritikern. Im Anschluss an den Gottesdienst, an dem abermals Präsident Raúl Castro teilnahm, traf sich der Papst mit dem früheren Staatschef Fidel Castro.

Dieser hatte Benedikt um einen kurzen Besuch gebeten. «Gerne werde ich Seine Exzellenz Papst Benedikt XVI. begrüßen», hatte der einstige Revolutionsführer in einem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar geschrieben. «Er ist ein Mensch, bei dem der Kontakt mit den Kindern und den ärmlichen Bürgern des Volkes unveränderlich Gefühle der Zuneigung geweckt hat. Deshalb entschied ich, ihn um einige Minuten seiner sehr knappen Zeit zu bitten.» Er selbst sei schon seit den 1960er Jahren der Meinung gewesen, dass Marxisten und Kirche zusammenarbeiten müssten, erklärte Castro.

In seiner Predigt sagte der Papst: «Ich möchte die verantwortlichen Stellen der Nation ermutigen, das bereits Erreichte festzumachen und auf diesem Weg des echten Dienstes am Gemeinwohl der ganzen kubanischen Gesellschaft weiter voranzugehen». Er fügte hinzu: «Die Religionsfreiheit berechtigt auch dazu, dass die Gläubigen einen Beitrag zum Aufbau der Gesellschaft leisten.» Damit erinnerte er noch einmal an seine Worte auf dem Flug nach Lateinamerika, als er den in Kuba herrschenden Marxismus kritisiert und die Hilfe der Kirche bei der Suche nach neuen Modellen angeboten hatte.

Die Unterstützung der Gläubigen stärke das Zusammenleben und die Hoffnung auf eine bessere Welt, schaffe günstige Voraussetzungen für Frieden und eine harmonische Entwicklung, fuhr der Papst in seiner Predigt fort. Kuba und die Welt bräuchten Veränderungen. Diese werde es aber nur geben, wenn jeder Einzelne über die Mittel verfüge, nach der Wahrheit zu fragen und auch brüderlich zu handeln.

In seiner ausgesprochen politischen Rede machte Benedikt auch deutlich, dass für die Suche nach Wahrheit echte Freiheit notwendig sei. Diese Suche dürfe auch nicht zum Fanatismus führen, mahnte er.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden Oppositionelle und Dissidenten von den Behörden daran gehindert, an der Messe teilzunehmen. Nach Darstellung von Oppositionellen seien zahlreiche Regimekritiker in ihren Häusern festgesetzt worden.

Kurz vor dem Abflug des Papstes kam es dann zu dem Treffen mit Fidel Castro. Die Begegnung schließt an die als historisch bezeichnete Begegnung von Papst Johannes Paul II. mit dem damaligen Staatschef Kubas vor 14 Jahren an.

Mit Präsident Raúl Castro, dem Bruder und Nachfolger Fidels, war Papst Benedikt zuvor bereits mehrfach zusammengetroffen, zuletzt am Dienstagabend bei einem privaten Gespräch im Palast der Revolution. Dabei sei auch über die humanitäre Lage in Kuba gesprochen worden, nicht aber über konkrete Fälle politischer Gefangener, berichtete Papst-Sprecher Federico Lombardi. Der Papst habe angeregt, den Karfreitag auch in Kuba zum Feiertag zu machen.

Programm der Papstreise