Hamburg (dpa) - Der Höhenflug bei den Benzinpreisen veranlasst viele Verbraucher zum Umdenken. So achten angesichts der Rekordstände an den Zapfsäulen zwei Drittel auf einen möglichst spritsparenden Fahrstil.

Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins «Stern» hervor. Vier von zehn Befragten erklärten zudem, derzeit auch öfter das Auto stehen zu lassen.

28 Prozent steigen demnach aufs Rad um oder nutzen stärker als bislang Bus und Bahn (15 Prozent). Knapp jeder Fünfte (18 Prozent) gab laut Umfrage an, er würde sich in anderen Bereichen einschränken, um den Sprit bezahlen zu können. Fast jeder dritte Autofahrer erwägt demnach sogar, auf ein Auto mit niedrigem Verbrauch umsteigen zu wollen.

Eine große Mehrheit der Befragten (70 Prozent) spricht sich dafür aus, die Mineralölsteuer zu senken. Verantwortlich für die höchsten Spritpreise aller Zeiten sind nach Ansicht der meisten Bürger allerdings die Ölkonzerne (72 Prozent). Etwa jeder fünfte (23 Prozent) sieht die internationale Wirtschaftslage als Verursacher. 7 Prozent sind der Ansicht, Tankstellenpächter würden and der Preisschraube drehen.

Die Benzinpreise setzen derzeit zu einem vorösterlichen Höhenflug an. Am Sonntag registrierten die Ölkonzerne Durchschnittspreise von 1,68 Euro für einen Liter Super E10 und 1,71 Euro für die meistgetankte Sorte Super E5 mit fünf Prozent Ethanol. Das waren die höchsten Preise aller Zeiten.

Angesichts dieser Preise erleben Mitfahrzentralen im Internet nach eigenen Angaben einen wahren Ansturm. Gerade vor Ostern ist die Nachfrage besonders hoch, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei verschiedenen Anbietern ergab. «Letzte Woche waren so viele Besucher auf 'mitfahrgelegenheit.de' wie nie zuvor», sagte Simon Baumann von carpooling.com der dpa am Dienstag. Das Unternehmen aus München betreibt unter anderem die Plattformen mitfahrgelegenheit.de und mitfahrzentrale.de, bei denen vor allem Fahrer und Mitfahrer für längere Strecken gesucht werden können.

Doch auch die überwiegend auf Berufspendler spezialisierten Plattformen flinc und MiFaZ können sich nach eigener Aussage über starken Zulauf freuen. «Seit Mitte Dezember haben wir ein Plus von 25 Prozent bei den vermittelten Fahrten pro Tag gemessen», sagte Benjamin Kirschner, Mitgründer der flinc AG. Stefan Strobl von MiFaZ bestätigt: «Es ist definitiv so, wenn die Preise hoch gehen, nehmen die Anfragen zu.»

Der ADAC errechnete, dass Autofahrer heute mit einer Tankfüllung Diesel im Wert von 50 Euro nur noch halb so weit kommen wie 1992. Nach der Berechnung konnten Autofahrer 1992 mit Diesel im Wert von 50 Euro 1186 Kilometer zurücklegen, berichtet die «Bild»-Zeitung. Heute seien es nur noch 504 Kilometer. Grund sei der stark angestiegene Diesel-Preis.

Beim Super ist der Unterschied nach den ADAC-Zahlen nicht ganz so groß: Vor 20 Jahren kam ein Auto mit einer Tankfüllung Super im Wert von 50 Euro 748 Kilometer weit, 2012 sind es nur 403 Kilometer. Der ADAC rechnete auf der Grundlage eines durchschnittlichen Verbrauches und berücksichtigte, dass Autos heute weniger Kraftstoff verbrauchen als vor 20 Jahren.