Dessau-Roßlau/Bitterfeld-Wolfen (dpa) - Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells hat die Insolvenz beantragt. Als vorläufiger Verwalter wurde der Rechtsanwalt Henning Schorisch mit Büros in Halle und Dresden eingesetzt, wie eine Sprecherin des Amtsgerichts in Dessau-Roßlau mitteilte.

Das Unternehmen Q-Cells SE in Bitterfeld-Wolfen habe am Mittag den Antrag auf Eröffnung eines reguläres Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen solle zunächst fortgeführt werden.

Q-Cells hatte den Gang zum Insolvenzrichter am Vortag angekündigt. Das Unternehmen ist hoch verschuldet und beschäftigt noch rund 2200 Menschen in Deutschland und Malaysia. Von der Firma selbst war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Nach Angaben einer Gewerkschaftssprecherin wurde eine Informationsveranstaltung für die Belegschaft vom Management kurzfristig abgesagt.

Unklar ist, welche Auswirkungen die Insolvenz auf die Zukunft der Arbeitsplätze bei dem Hersteller haben wird, der in Bitterfeld-Wolfen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) ansässig ist. «Wir stochern mächtig im Nebel», sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft IG BCE. «Eine Insolvenz heißt aber nicht automatisch, es ist das Ende», sagte sie. Eine Insolvenz kann auch bedeuten, ein Investor übernimmt eine Firma oder zumindest Teile davon.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte, nach dem Insolvenzantrag könne nun an einer Lösung für die Zukunft gearbeitet werden. «Jetzt muss der Insolvenzverwalter mit dem Unternehmen eine Bestandsaufnahme vorlegen. Auf dieser Grundlage kann dann die Politik überlegen und festlegen, welche Schritte sie geht», erklärte Haseloff einem Sprecher zufolge. Er stellte zugleich klar, dass er sich mit Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) einig sei, dass eine Übernahme von 580 Millionen Euro Schulden durch das Land nicht verantwortbar sei. Die gemeinsame Haltung der Landesregierung laute nun: «Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen.»

Q-Cells hatte vergangenen Freitag erklärt, das ursprüngliche Sanierungskonzept sei gescheitert, weil Minderheits-Gläubiger mit Klagen gegen das Konzept vor Gericht voraussichtlich Recht bekommen würden. Nach Solarhybrid, Solar Millennium und Solon ist dies die vierte größere Pleite in der deutschen Solarbranche. Die Unternehmen leiden unter Förderkürzungen und einem starken Preisverfall. Die Billigkonkurrenz aus China hat die deutschen Hersteller massiv unter Druck gesetzt.