Dessau-Roßlau/Bitterfeld-Wolfen (dpa) - Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells hat am Dienstag beim Amtsgericht in Dessau-Roßlau die Insolvenz beantragt. Das teilte eine Sprecherin des Gerichts mit. «Die Unterlagen wurden eingereicht», sagte sie. Nähere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.

Q-Cells hatte den Gang zum Insolvenzrichter am Vortag angekündigt. Das Unternehmen ist hoch verschuldet und beschäftigt noch rund 2200 Menschen in Deutschland und Malaysia. Von der Firma selbst war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Q-Cells hatte vergangenen Freitag erklärt, das ursprüngliche Sanierungskonzept sei gescheitert, weil Minderheits-Gläubiger mit Klagen gegen das Konzept vor Gericht voraussichtlich Recht bekommen würden.

Nach Solarhybrid, Solar Millennium und Solon ist dies die vierte größere Pleite in der deutschen Solarbranche. Die Unternehmen leiden unter Förderkürzungen und einem starken Preisverfall. Die Billigkonkurrenz aus China hat die deutschen Hersteller massiv unter Druck gesetzt.

Unklar ist, welche Auswirkungen die Insolvenz auf die Zukunft der Arbeitsplätze bei dem Hersteller haben wird, der in Bitterfeld-Wolfen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) ansässig ist. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) äußerte sich im Ländermagazin des Mitteldeutschen Rundfunks «MDR um zwölf» vorsichtig optimistisch. «Bisher haben wir aus jeder großen Insolvenz eine Fortsetzungslösung entwickelt», sagte er. Wie diese genau aussehen könnte, ließ der Regierungschef offen. Gleichzeitig betonte Haseloff, dass das Land keinesfalls die aktuelle Schuldensumme des Unternehmens aus dem Landeshaushalt bezahlen würde.

In der Region sorgte die Nachricht von der Insolvenz für große Betroffenheit, obwohl diese angekündigt worden war und das Unternehmen schon länger Probleme hatte. 2011 war es in tiefrote Zahlen. Um das börsennotierte Unternehmen haben sich auf der grünen Wiese in «Solar Valley» mehrere Firmen angesiedelt.

Auch das Photovoltaik-Unternehmen Phoenix Solar kämpft angesichts der geplanten Kürzung der Solarförderung um seine Finanzierung. Für einen Kredit eines Bankenkonsortiums im Volumen von ursprünglich 150 Millionen Euro musste ein Stillhalteabkommen verlängert werden, wie das Unternehmen aus Sulzemoos bei München am Montag nach Börsenschluss mitteilte. Als Folge brachen Phoenix-Aktien am Dienstag zeitweilig um mehr als 30 Prozent ein in einem insgesamt kaum veränderten Aktienmarkt. Die Aktien von Q-Cells waren am Vortag um mehr als 40 Prozent auf nur noch 0,126 Euro abgestürzt.