New York/Istanbul (dpa) - Nach einem Jahr der Gewalt in Syrien will Assad die Waffen schweigen lassen - vom 10. April an. Auch die Rebellen akzeptieren die Waffenruhe. Doch es bleiben Zweifel, denn Syriens Machthaber hat schon viele Zusagen nicht eingehalten.

Aktivisten meldeten am Dienstag, in den Provinzen Daraa, Idlib und Damaskus-Land habe es Gefechte zwischen den Regierungstruppen und Deserteuren gegeben. Landesweit seien 19 Menschen von den Truppen des Regimes getötet worden, unter ihnen zwei geistig behinderte Brüder. Die sogenannten Revolutionskomitees erklärten, sie hätten gemeinsam mit der Freien Syrischen Armee entschieden, dass die Deserteure ebenfalls die Waffen niederlegen würden, falls das Regime seine Angriffe tatsächlich einstellen und die Truppen in die Kasernen zurückbeordern sollte.

Allerdings müssten auch alle anderen Forderungen des Annan-Plans erfüllt werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Revolutionäre und der Freien Syrischen Armee. Dazu zählten die Freilassung der politischen Gefangenen und freier Zugang für Journalisten.

Ein Sprecher der Revolutionäre sagte allerdings am Dienstag, dass Assad die Waffenruhe erst in einer Woche umsetzen wolle, deute auf neue Täuschungsmanöver seitens des Regimes hin. «Schon wieder eine neue Frist», lautete der Tenor in den Diskussionsforen der sogenannten Revolutionskomitees.

Auch international war die Ankündigung einer Waffenruhe durch das Regime auf Skepsis gestoßen. Die UN-Botschafter der USA und Deutschlands warnten am Montag in New York vor zu großer Euphorie. Der Sondergesandte Kofi Annan hatte dem Weltsicherheitsrat zuvor mitgeteilt, dass die Führung in Damaskus einer Waffenruhe vom 10. April an zugestimmt habe. Jedoch lasse die syrische Regierung ein Gefühl der Dringlichkeit vermissen, schränkte auch Annan ein. Außerdem gebe es noch Differenzen, wie die Waffenruhe überwacht werden könne.

Das Assad-Regime hatte zuletzt Druck von allen Seiten bekommen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte betont, die syrische Regierung sei verpflichtet, «den ersten Schritt zu tun» und die Armee aus den Städten abzuziehen. Beobachter gehen davon aus, dass der Druck aus Russland Assad zum Einlenken bewogen hat. Syrische Medien meldeten unterdessen, an diesem Mittwoch werde ein von Annan geschicktes Team in Damaskus erwartet, um die Details der Beobachtermission zur Überwachung der Waffenruhe zu besprechen.

Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana zur Sitzung des Sicherheitsrates

Unicef zu Syrien

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