Hannover (dpa) - Adios Europa, aber schön war's schon. 44 000 Fans feierten so ausgelassen, als ob Hannover 96 das Halbfinale in der Europa League erreicht hätte.

Dabei hatte Atlético Madrid mit einem 2:1-Auswärtssieg die wundersame Reise der Niedersachsen durch Europas Fußball-Stadien im Viertelfinale beendet. «Uns bleiben die schönen Momente und Erinnerungen im Gedächtnis», bilanzierte 96-Trainer Mirko Slomka nach 14 Partien von Sevilla über Poltawa bis Madrid. Die Spieler, der Club, eine ganze Stadt genossen das ungewohnte Kräftemessen. Es soll sich bald wiederholen. «Wir sind alle froh, wenn wir nächstes Jahr wieder in Europa dabei wären. Das ist eine große Motivation», sagte Slomka.

Die frustrierten Profis des Bundesligisten hatten nach dem Aus kaum Zeit zum Wundenlecken. «Natürlich sind wir enttäuscht, wir hatten uns viel vorgenommen. In beiden Begegnungen haben wir fußballerisch etwas versagt und zu viele Fehlpässe gespielt», analysierte 96-Kapitän Steven Cherundolo die beiden 1:2-Pleiten gegen abgeklärte Spanier. Das 96-Team muss gegen den ebenfalls in der Europa-League gestrauchelten FC Schalke 04 ran. «Es ist enorm wichtig, sich auf diese Ausgabe zu konzentrieren», sagte Slomka.

Einen Knacks für den Bundesliga-Endspurt befürchtet der Trainer nicht. Die 96-Spieler waren enttäuscht, aber auch stolz und motiviert für die letzten sechs Partien einer langen Saison mit insgesamt 50 Pflichtspielen. «Wir können schon erhobenen Hauptes nach Hause gehen. Man kennt Hannover 96 jetzt auch international», sagte Verteidiger Emanuel Pogatetz. «Wir haben an Reife gewonnen und sind zuversichtlich, dass es auch in dieser Saison mit der Qualifikation klappt», erklärte Allrounder Christian Schulz.

Die fehlende internationale Erfahrung der 96-Mannschaft im Vergleich zum spanischen Europa-League-Sieger von 2010 war im Rückspiel offensichtlich. Zwei Tore von Adrian Lopez (63. Minute) und Radamel Falcao (87.) zerstörten alle Endspiel-Hoffnungen der Gastgeber. Das vierte Europa-League-Tor von Mame Diouf (81.) reichte nicht, um die erste Heimniederlage nach 90 Minuten in einem Pflichtspiel in dieser Saison zu verhindern. «Atléticos Spielweise war trocken und clever», lobte Slomka die Spanier, bei denen Ex-Bundesligastar Diego als Takt- und Passgeber im Mittelfeld überzeugte.

Der argentinische Atlético-Trainer Diego Simeone war stolz wie ein Spanier. «Wir haben bei einer Mannschaft gewonnen, die seit elf Monaten zu Hause unbesiegt war», sagte Simeone. Sichtlich beeindruckt war der Coach von der «fantastischen» Choreographie der 96-Anhänger, die ihr Team trotz einer schwächeren Leistung immer wieder feierten: «Respekt. Das war Leidenschaft pur und zeugt von einer hohen Qualität der Fans.»