Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV hofft auf das Heilfleisch seines «Oldies» im Tor, Bayer Leverkusen auf zwei Frischlinge auf der Bank: Ausgerechnet vor dem bedeutsamen Heimspiel gegen den Werksclub hat die Personalnot beim abstiegsbedrohten HSV einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Während Trainer Thorsten Fink den Ausfall eines Defensiv-Quartetts in seinem großen Kader gerade noch auffangen kann, wäre ein Aus für Stammtorhüter Jaroslav Drobny besonders bitter. Zumal dessen Vertreter Tom Mickel (Handbruch) schon länger fehlt. Der dritte HSV-Keeper Sven Neuhaus, bisher nur dreimal im Regionalliga-Team eingesetzt, würde sich den Job gegen den erstmals vom Duo Sämi Hyypiä/Sascha Lewandowski betreuten Werksclub zutrauen.

«Ich habe zehn Jahre in der 2. Liga gespielt und dabei nicht nur auf Hinterhöfen gekickt», sagte der Hamburger Team-Senior, der mit 34 Jahren sein Erstliga-Debüt feiern würde. Der leidgeprüfte Coach Fink sieht es ähnlich und will über die personelle Misere nicht jammern. «Die Spieler, die reinkommen, genießen mein Vertrauen und werden ordentlich Gas geben. Wenn die Not am größten ist, kommt es mitunter besser, als man denkt.» In Dennis Diekmeier, Tomas Rincon, Jacopo Sala (verletzt) und Gojko Kacar (gesperrt) fehlen gleich vier Mann, die sich in Abwehr und Mittelfeld gegenseitig hätten vertreten können. In Jeffrey Bruma und Per Skjelbred stehen gegen Bayer zwar namhafte Feldspieler parat, im Tor aber gilt Drobny als unersetzlich.

Der Tscheche hatte anfangs Probleme, wurde aber im Saisonverlauf zum Rückhalt. «Er ist eine Säule», lobte Fink den 32-Jährigen, der vor dem Spiel am Sonntag noch einem Härtetest unterzogen werden sollte. Drobny gilt zwar als zäher Bursche und hat in dieser Saison schon mehrfach auf die Zähne gebissen und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Doch diesmal sieht es nach dem im Training erlittenen Anriss eines Haltebandes im linken Daumen «nicht so gut aus», so Fink. Drobny kündigte aber einen Trainingstest mit einer geschienten Hand an: «Ich werde bis zum Schluss alles versuchen.»

Ein starker Rückhalt ist nötig, denn von den letzten fünf Duellen hat der HSV keines gewonnen. Umgekehrt kassierte Bayer zuletzt unter Robin Dutt fünf Pleiten in Serie. Nach dessen Entlassung haben der finnische Ex-Bayer-Profi Sami Hyypiä und der bisherige U 19-Coach Sascha Lewandowski für Aufbruchstimmung gesorgt. Höchste Zeit, denn die Europa-League-Teilnahme des Werksclubs ist in Gefahr.

«Wir sind in der Pflicht und müssen eine Reaktion zeigen», forderte Michael Ballack. Den ehemaligen Nationalmannschaftskapitän hat Hyypiä trotz dessen langer Pause auf der Rechnung, eventuell sogar für die Startformation. «Wenn es eine schwierige Situation gibt, brauchst du erfahrene Spieler. Michael Ballack ist eine Möglichkeit», sagte Hyypiä.

Das will der Finne kurzfristig entscheiden, der in der Woche dem früheren Mitspieler im Training ebenso geduldig wie bestimmt seine Vorstellungen nahebrachte. «Sami braucht nicht den großen Zampano zu geben, weil er über eine natürliche Autorität verfügt, die ihm den Respekt des gesamten Teams garantiert», befand Simon Rolfes. Der Kapitän kann sich ausdrücklich vorstellen, zusammen mit Ballack zu spielen, was Dutt einst verneinte. Auch Tranquillo Barnetta steht vor seinem Startelf-Comeback. Der Schweizer soll möglicherweise als Rechtsverteidiger auflaufen.