Doha (dpa) - Auf dem Saisoneröffnungsfoto der weltbesten Motorrad-Piloten steht Stefan Bradl bereits in Reihe zwei. Ganz außen zwar, aber immerhin auf einer Höhe mit Valentino Rossi.

Der neunmalige Weltmeister aus Italien ist es auch, der dem deutschen MotoGP-Neuling nach der Pressekonferenz einen Klaps auf die Schulter gibt. «Good luck» wünscht er Bradl vor dem ersten freien Training für den Motorrad-WM-Lauf von Katar. Der deutsche Moto2-Champion nimmt es mit Stolz, ohne vor Ehrfurcht zu erstarren. «Die Zeiten, da ich schlotternde Knie hatte, wenn Rossi mir über den Weg lief, sind vorbei. Egal ob Weltmeister, 'Alterspräsident' oder Rookie - in der MotoGP respektiert man sich. Schließlich hat jeder, der dort fährt, schon mal irgendetwas gewonnen. Das vergisst niemand», sagt Bradl und wirkt dabei erleichtert.

Bevor er seine 1000-Kubikzentimeter-Honda das erste Mal um den Wüstenkurs jagt, hat Stefan Bradl aufmerksam das Drum und Dran in der Königsklasse studiert. Seine Blicke beobachten die erfahrenen Konkurrenten. Stolz und selbstbewusst erscheint er zur Einschreibung und zum Fahrerbriefing. Noch einmal ist sein Vater Helmut in seiner Nähe, trägt dem nun erfolgreicheren Filius Helm und Handschuh hinterher. Wahrscheinlich ein letztes Mal, denn im Elitekreis des Motorrad-Rennsports wird er nicht mehr gebraucht. Deshalb gab der WM-Zweite von 1991 seine Managerfunktion in professionellere Hände ab. Zudem ist Stefan mittlerweile alt und auch routiniert genug, um sich selbst durchzusetzen.

«Ich lasse mich überraschen, was noch auf mich zukommt. Es ist schon interessant zu sehen, wie viele Leute etwas von mir wollen, was alles zu erledigen ist. Ich mache das gern, aber mein Job ist es, Gas zu geben», sagt der 22-Jährige und zeigt sich angriffslustig: «Jetzt kribbelt es schon. Die Trainingsquälerei ist jetzt vorbei, es kann losgehen.» Dabei ist er sich bewusst, dass er unter ganz anderer Beobachtung steht als in den Jahren zuvor. «Es ist ein fantastisches Gefühl, jetzt MotoGP fahren zu dürfen. Aber alle wollen mich gleich vor Casey Stoner und Valentino Rossi sehen. Die deutschen Medien sind schon ziemlich speziell», bemerkt er und lächelt vor sich hin.

Immerhin muss er die Frage beantworten, ober er es wie der australische Titelverteidiger Stoner machen und gleich bei seinem ersten Qualifikationstraining in der MotoGP die Pole Position holen wird. «Ich bin nicht Stoner», betont er ernst: «Es ist vermessen, an die Pole zu denken.» Dann bereitet er sich auf das erste Training vor - auch das ist anders als früher. «In der Box hängt ein Plan. Da ist alles genau terminiert, was vor dem Training, währenddessen und danach abläuft. So eine klare Struktur kannte ich bislang nicht. MotoGP ist eben professionell», betont Bradl. Als Drittletzter beginnt er seine erste Dienstfahrt, nur der Spanier Daniel Pedrosa und Nicky Hayden aus den USA fahren später aus der Box. Dass Bradl am Ende des ersten Trainings nur Zwölfter ist, wird sofort ausgewertet. Schließlich sollen Top-10-Ergebnisse die Normalität werden.