Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV hat sich mit einem 1:0 (1:0)-Sieg im Nordderby gegen Hannover 96 etwas Luft im Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga verschafft.

Den ersten Heimsieg seit vier Monaten und überhaupt erst dritten Erfolg im Volkspark sicherte Son Heung-Min (12.). Für die international ambitionierten Niedersachsen war es die fünfte Auswärtsniederlage am Stück.

Mit einer imposanten Choreographie machten die Hamburger Anhänger unter den 57 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena dem abstiegsbedrohten Bundesliga-Dino Mut: «Immer erste Liga! Wir für Euch, ihr für uns. Nur der HSV», stand auf weißen Zettel geschrieben.

Einen Rückschlag für seine Planungen musste HSV-Trainer Thorsten Fink schon vor dem Anpfiff hinnehmen. Stürmer Mladen Petric hatte sich drei Tage zuvor bei der 0:4-Pleite in Hoffenheim, wo Fink ihn nur eine Halbzeit hatte spielen lassen, einen grippalen Infekt zugezogen. In der Nacht zum Samstag bekam der mit sieben Toren erfolgreichste HSV-Torschütze Schüttelfrost und war nicht mal mehr eine Alternative für die Bank. So begannen Marcus Berg und Son im Angriff, auf den linken Flügel kehrte Marcell Jansen zurück, dahinter nach Gelbsperre Dennis Aogo. Ivo Ilicevic rückte auf rechts und Tomas Rincon ersetzte den zuletzt äußerst unglücklichen Gojko Kacar.

Ebenfalls mit Sturmproblemen war «96» angereist: Die Torgaranten Mame Diouf (Abriss des Außenbandes) und Mohammed Abdellaoue (Kniebeschwerden) fehlten an allen Ecken und Enden. Auch Mittelfeldspieler Lars Stindl fehlte wegen Adduktorenproblemen.

Son hatte bereits in der ersten Minute nach einem Foul von Emanuel Pogatetz an ihm eine gute Freistoßmöglichkeit an der Strafraumgrenze, nutzte sie aber nicht. Der Südkoreaner belebte das Angriffsspiel der Hanseaten und brachte sie mit seinem vierten Saisontreffer nach einem sehenswerten Solo in Führung. Erst ließ er Steven Cherundolo stehen, dann hatte Keeper Ron-Robert Zieler aus kurzer Distanz keine Chance. Nur zwei Minuten später vergab Jansen eine große Möglichkeit, als er sieben Meter vor dem Gehäuse an Zieler scheiterte. Auch Kapitän Heiko Westermann verfehlte nur knapp das Tor, als er nach einer Ecke von Aogo köpfte. Zieler lenkte den Ball über die Latte.

Die defensiv agierenden Niedersachsen ließen sich über weite Strecken den Schneid abkaufen und kamen erst in der 37. Minute durch Jan Schlaudraff zu einer Mini-Chance, die Hamburgs Schlussmann mit Leichtigkeit entschärfte. Auch Konstantin Rausch vergab wenig später eine gute Kontergelegenheit. Didier Ya Konan wurde kaum ins Spiel eingebunden und beschwerte sich lautstark.

Mit Applaus zur Halbzeit honorierten die HSV-Anhänger das Engagement der zuletzt im eigenen Stadion verängstigt auftretenden Norddeutschen. Mit Tordrang kamen die Gastgeber aus der Kabine, doch der nicht abgebrüht genug agierende Berg (54.) vergab nach einem Klasse-Pass von Jansen. Gefährlich wurden die Gäste nur durch einen Freistoß von Christian Pander (57.), auch wenn sie mehr Spielanteile bekamen. Sergio Pinto kassierte die zehnte Gelbe Karte und wird Hannover am nächsten Sonntag gegen Freiburg fehlen. Zwei Minuten vor Schluss vergab Son aus aussichtsreicher Position einen höheren Sieg.