Istanbul/Berlin (dpa) - Für den Iran schlägt die Stunde der Wahrheit. In Istanbul muss das Regime Farbe bekennen, ob es im Atomstreit einlenkt. Schon eine Vereinbarung über weitere Treffen oder einen Fahrplan wäre ein Erfolg.

Iranische Unterhändler begannen am Samstag in Istanbul Gespräche mit Vertretern der 5+1-Gruppe. Dazu gehören die fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat - China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA - sowie Deutschland. Die Gespräche gelten als letzte Chance, mögliche Militärschläge gegen Atomanlagen im Iran abzuwenden. Israel betrachtet das iranische Atomprogramm als existenzielle Bedrohung.

Am Vorabend des Treffens hatte der iranische Chefunterunterhändler Said Dschalili die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton als Verhandlungsleiterin der 5+1-Gruppe im iranischen Generalkonsulat zu einem Abendessen getroffen. Aus der iranischen Delegation verlautete, Teheran wolle mindestens einen Fahrplan für weitere Verhandlungen und ein weiteres Gespräch vereinbaren.

Nach Angaben westlicher Diplomaten wird die 5+1-Gruppe fordern, dass Teheran die unterirdische Urananreicherungsanlage Fordo schließt und die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent stoppt. Ein Anreicherungsgrad von 20 Prozent erlaubt zwar noch nicht den Bau von Atomwaffen - dafür wären 80 Prozent nötig - ist aber ein Schritt in diese Richtung.

Das Treffen in Istanbul finde in einem Moment großer Anspannung in der Region statt, erklärte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. «Eines ist klar. Die Zeit für taktische Spiele jedweder Art ist längst abgelaufen.» Der Iran müsse bereit sein zu ernsthaften und zielgerichteten Verhandlungen über alle anstehenden Fragen und besonders über sein Atomprogramm, erklärte Westerwelle.

Der Westen fürchtet, dass der Iran seine Fertigkeit zur Anreicherung von Uran für Waffen und schließlich sogar für eine Atombombe nutzen könnte. Der Präsident des Landes, Mahmud Ahmadinedschad, pocht dagegen auf das Recht, Atomtechnologie friedlich zu nutzen. Israel und auch die USA haben in der Vergangenheit Angriffe auf iranische Atomanlagen nicht ausgeschlossen, falls Teheran seinen Kurs fortsetzt.