Berlin (dpa) - Rekordjäger Borussia Dortmund kann die Titelfete planen: Bei einem Sieg gegen Mönchengladbach könnten schon am kommenden Samstag die Champagner-Korken knallen. Die Unaufhaltsamen sind auf bestem Weg, selbst die traumhafte Meistersaison 2011 zu toppen.

Nie zuvor in der Geschichte der Fußball-Bundesliga blieb ein Team binnen einer Spielzeit in 25 Partien nacheinander ohne Niederlage. Mit dem 2:1-Sieg im Derby beim FC Schalke 04 krönte der Super-BVB die Entscheidungswoche. Rekordchampion Bayern München, der drei Tage zuvor in Dortmund unterlegen war, patzte am 31. Spieltag mit dem 0:0 im eigenen Stadion gegen Mainz 05 und hat nun acht Punkte Rückstand auf den alten und höchstwahrscheinlich auch neuen Meister Dortmund.

«Wir müssen noch zwei Siege holen und das werden wir auch. Wir haben einen wahnsinnig guten Lauf, sind sehr, sehr stabil. Das wird sich in den nächsten Wochen nicht ändern», erklärte Siegtorschütze Sebastian Kehl nach dem 140. Derby. Selbst der frühe Rückstand durch Jefferson Farfan (9. Minute) brachte vor 61 673 Zuschauern in der ausverkauften Schalke-Arena den Titelverteidiger nicht ins Wanken. Lukasz Piszczek (17.) und der erst zur Halbzeit eingewechselte Kehl (63.) sorgten für schwarz-gelbe Glückseligkeit. BVB-Präsident Reinhard Rauball ließ es sich nicht nehmen, dem Team in der Kabine persönlich zu gratulieren: «Wer die Bayern und Schalke jeweils zweimal in einer Saison schlägt, steht zu Recht oben.»

Die Bayern-Profis hielten sich mit Gratulationen an die Dortmunder noch zurück. «Noch ist es ein bisschen zu früh», sagte Bastian Schweinsteiger, der den BVB auch als «Hauptkonkurrent der nächsten Jahre» sieht. Groß aufhalten wollten sich die Münchner mit dem erneuten Dortmunder Sieg und der eigenen enttäuschenden Nullnummer gegen Mainz ohnehin nicht. Alle Konzentration und Kraft gilt dem Hinspiel im Champions-League-Halbfinale am Dienstag gegen Real Madrid. Da müsse man wieder «die Mentalität ausstrahlen, für die Bayern steht», forderte Nationalspieler Schweinsteiger.

Ganz nebenbei könnten die Dortmunder in ihrer außergewöhnlichen Bundesliga-Saison auch noch den FC Bayern als Punkte-Krösus ablösen. Sollte der BVB seine letzten drei Spiele gewinnen, käme der Titelverteidiger auf 81 Zähler. Die bisherige Bestmarke stellte der FC Bayern auf - der Rekordmeister kam Anfang der 70er Jahre - auf die Drei-Punkte-Wertung umgerechnet - zweimal auf 79 Zähler. Mario Gomez aber dachte nur noch am Real: «Dienstag wird der Kessel hier brennen und die Fans werden uns nach vorne peitschen.»

Der 1. FC Kaiserslautern erlebte mit dem leblosen Auftritt beim 0:2 gegen den 1. FC Nürnberg unterdessen einen bitteren Abgang. Vorstandschef Stefan Kuntz war nicht nur vom Szenario des dritten Bundesliga-Abstiegs nach 1996 und 2006 schwer angeschlagen. «Das ist emotional das Schlimmste, was ich bisher erlebt habe. Ich muss sagen, das Auftreten hat mit dem 1. FC Kaiserslautern nichts zu tun.» Die Fans verhöhnten ihre in Ungnade gefallenen Lieblinge schon während des Spiels und verabschiedeten sie mit weißen Taschentüchern und einem gellenden Pfeifkonzert. Dem HSV (1:0 gegen Hannover) und Augsburg (2:1) in Wolfsburg gelangen dagegen wichtige Siege im Kampf um den Klassenverbleib.

Bei Hertha BSC regierte nach einem verrückten 3:3 bei Bayer Leverkusen eine Mischung aus Frust und Stolz. In Unterzahl drehten die Berliner nach 0:2 durch André Schürrle und Stefan Kießling (44./51. Minute) sowie dem Platzverweis für Lewan Kobiaschwili (65.) die Partie fast komplett. Doch die Tore von Pierre-Michel Lasogga (63.) und Tunay Torun (71./77. Minute) reichten vor 29 704 Fans nur zu einem Punkt, weil Kießling nochmals traf (84.). «Wir brauchen uns nichts vorzumachen: Es geht nur noch um die Relegation - so bitter das nach so einem Spiel auch ist», sagte Defensivmann Christian Lell.

Leverkusen bleibt wie Hannover und die beim 4:1 gegen Bremen erneut überzeugenden Stuttgarter auf Kurs Europa League. Dagegen müssen sich Werder und vor allem Wolfsburg wohl damit anfreunden, in der kommenden Saison international nur Zaungast zu sein. In Wolfsburg genoss vor allem Simon Jentzsch den Dreier seines FCA, ein «dreckiger Sieg», so der Keeper. Als Torwart des VfL war Jentzsch im Dezember 2007 von Wolfsburg-Coach Felix Magath zunächst zur Halbzeit ausgewechselt, später komplett degradiert worden. Jetzt steht er mit dem FC Augsburg vor der vielleicht größten Überraschung der aktuellen Ligasaison. «Wir wollen das Unmögliche möglich machen», sagte Jentzsch.