Köln (SID) - Nach Auffassung neu hinzugezogener Experten handelt es sich bei der Erfurter Affäre um UV-bestrahltes Blut nicht um eine verbotene Methode. Nach einer Meldung in der Online-Ausgabe der Thüringer Allgemeinen Zeitung liegen dem Sportausschuss des Bundestages und der Staatsanwaltschaft drei Gutachten oder Stellungnahmen von Professoren vor, die den Arzt Andreas Franke von Vorwürfen entlasten. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt noch mindestens bis Ende Mai, ob Franke bei der Behandlung von 30 Athleten gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen hat.

Bisher hatten medizinische Experten anders geurteilt. So auch Pharmalogie-Professor Fritz Sörgel. Nach Auffassung des Leiters des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg handelt es sich jedoch eindeutig um eine verbotene Methode nach den Statuten der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutchlands (NADA). Laut Sörgel sei dies mit hoher Sicherheit auch die Auffassung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, vor dem der Fall durchaus landen könne.

Ihm widersprechen nun offenbar unabhängig voneinander der italienische Hämatologe Professor Alberto Zanella als auch seine deutschen Kollegen Professor Stefan Eber, Hämatologe aus München, und Professor Wolfgang Jelkmann, Direktor des Instituts für Physiologie an der Universität Lübeck.

Zanella äußert sich in einem Schreiben, aus dem TLZ ziiert: "Weder die Entnahme von 50 Millilitern Vollblut und deren anschließende Reinfusion zehn Minuten später, noch die UV-Licht-Behandlung des Blutes erhöhen die Sauerstoff-Transferkapazität des Blutes. Somit kann die UV-Blutbestrahlung nicht als Blutdoping betrachtet werden."

Stefan Eber forderte die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA auf, "den Anklagepunkt des Blutdopings schnellstmöglich fallenzulassen", da mit der UV-Behandlung von Blut der Sauerstofftransfer nicht erhöht werden könne, ein leistungssteigernder Effekt sei nicht zu erwarten. Ähnlich äußerte sich Wolfgang Jelkmann, der sich seit 35 Jahren wissenschaftlich mit dem Thema "Blut und Sauerstofftransport" befasst.

Der Sauerstofftransfer hänge von der Masse des Blutfarbstoffs Hämoglobin ab. "Diese wird in dem Fall nicht erhöht, es kommt letztlich sogar zu einer geringen Abnahme", laute das Fazit einer von Jelkmann durchgeführten Studie. Blutdoping liege seit 2005 vor, "wenn missbräuchlich eine Technik oder Substanz angewendet wurde, welche die Masse roter Blutzellen vergrößert, so dass mehr Sauerstoff transportiert wird. Das ist bei der UVB nicht der Fall", erklärte Jelkmann.

2011 sei ein Absatz eingefügt worden, "der sportjuristisch strittig sein dürfte, medizinisch jedoch nicht". Seitdem ist jegliche Infusion von Blut verboten. Zum 1. Januar 2012 wurde die Passage noch verschärft, so dass mittlerweile auch Injektionen und somit die UV-Behandlung verboten sind.

Der Olympiastützpunkt beendete die Zusammenarbeit mit Franke allerdings bereits im Mai 2011. Bis dahin hatte der Sportmediziner angeblich 30 Athleten behandelt, darunter auch die Erfurter Radprofis Marcel Kittel, Patrick Gretsch und Jakob Steigmiller. Gegen letzteren hat die NADA ein Dopingverfahren eingeleitet.