Frankfurt/Main (dpa) - Überraschend gute Konjunktur- und Unternehmensnachrichten haben den Dax am Dienstag in die Höhe schnellen lassen.

Der deutsche Leitindex profitierte von erfolgreichen Anleiheauktionen Spaniens, einem besser als erwartet ausgefallenen ZEW-Indikator sowie einem unerwartet positiven Quartalsergebnis von Goldman Sachs. Zum Börsenschluss übersprang der Dax wieder die Hürde von 6800 Punkten und kletterte um 2,65 Prozent auf 6801,00 Punkte. Der MDax stieg um 1,91 Prozent auf 10 747,35 Punkte. Der TecDax rückte um 1,49 Prozent auf 786,72 Punkte vor.

Trotz der wieder aufgeflammten Schuldenkrise zeigen sich deutsche Finanzexperten für die konjunkturelle Entwicklung zuversichtlich. Sowohl für Deutschland als auch für die Eurozone hatten sich die ZEW-Konjunkturerwartungen im April das fünfte Mal in Folge verbessert, wie das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung mitteilte. Aktienhändler Markus Huber sagte: «Der ZEW-Index hat wieder respektable sowie solide Zahlen verbucht und zeigt bisher überhaupt keine Anzeichen, dass sich die deutsche Wirtschaft erneut abschwächen könnte.»

Die Aktienbörsen hatten bereits zuvor positiv auf eine Entspannung am Anleihemarkt bei den Renditen spanischer Staatspapiere reagiert. Die Verzinsung zehnjähriger Papiere, die bei der Auktion am Vortag noch auf mehr als 6 Prozent gestiegen war und die Märkte beunruhigt hatte, sank am Dienstag wieder deutlich unter 6 Prozent auf zuletzt 5,83 Prozent.

Aktien des Tages waren die Titel von Sky Deutschland, die ihre Gewinne nach den bekanntgegebenen Details zur Vergabe der Live-Rechte für die Fußball-Bundesliga deutlich reduzierten. Zuletzt notierten sie «nur» noch 6,98 Prozent im Plus bei 2,146 Euro, nachdem sie am Vormittag um mehr als 25 Prozent hochgeschossen waren. Aktienhändler Jörg Heineke von TAO Capital sagte: «Der Preis ist zu hoch und der Bezahlsender wird Schwierigkeiten bekommen, diese Kosten wieder zu erwirtschaften.» Nun drohe eine Kapitalerhöhung.

Im Dax gehörten die am Vortag unter Druck geratenen Finanzwerte zu den Tagesgewinnern. So kletterten Commerzbank um 5,81 Prozent, Deutsche Bank um 4,52 Prozent, Munich Re um 4,44 Prozent, Allianz um 3,37 Prozent und Deutsche Börse um 3,98 Prozent.

Dagegen hinkten die Siemens-Aktien mit plus 1,67 Prozent auf 72,94 Euro dem Markt hinterher. Einem Pressebericht zufolge kämpft der Industriekonzern weiter mit der schleppenden Anbindung von Windparks auf hoher See an das Stromnetz. Am MDax-Ende brachen die Titel des Geldautomaten- und Kassensystem-Herstellers Wincor Nixdorf nach einer Gewinnwarnung um 10,02 Prozent auf 30,36 Euro ein.

Der EuroStoxx 50 schnellte um 2,86 Prozent in die Höhe auf 2367,05 Punkte. Auch der Londoner FTSE und der CAC 40 in Paris zogen an. In New York gewann der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa etwa 1,3 Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt legte die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,43 Prozent (Vortag: 1,39 Prozent) zu. Der Rentenindex Rex fiel um 0,05 Prozent auf 132,07 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,10 Prozent auf 140,04 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3132 (Montag: 1,3024) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7615 (0,7678) Euro.