Ehingen/Berlin (dpa) - Die Gewerkschaft Verdi will zwar einen Sanierungsbeitrag zur Schlecker-Gesundung unterstützen, verlangt aber mehr Informationen zur Lage und Zukunft der insolventen Drogerie-Kette.

«Im Sinne der Beschäftigten fordern wir hier von der Insolvenzverwaltung eine deutlich stärkere Einbindung und mehr Transparenz als bisher», erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger laut Mitteilung in Berlin vor weiteren Verhandlungen um einen Sanierungstarifvertrag für 13 500 Schlecker-Beschäftigte. Zugleich kritisierte Verdi Lieferengpässe in Filialen. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz müsse sofort handeln.

Verdi lehnte die verlangten Lohneinschnitte erneut ab. In Auftaktgesprächen hatte Geiwitz nach Gewerkschaftsangaben 15 Prozent Lohnverzicht von den rund 13 500 Mitarbeitern der insolventen Drogeriekette gefordert. Das überschreite aber «jedes erträgliche Maß», sagte Nutzenberger. Viele Schlecker-Kolleginnen würden schon heute eher schlecht als recht über die Runden kommen. Am Donnerstag werden die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter nach Gewerkschaftsangaben in Ulm fortgesetzt.

Grundsätzlich sei die Schlecker-Tarifkommission zu Gesprächen über einen Sanierungsbeitrag bereit, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, erklärte Verdi. Der Insolvenzverwalter müsse über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Schleckers, über ein nachvollziehbares Zukunftskonzept und über potenzielle Investoren notwendige Informationen bereitstellen.

Geiwitz reagierte nach Angaben seines Sprechers mit völligem Unverständnis auf den Vorwurf mangelnder Transparenz. «In den beiden zentralen Gremien dieses Insolvenzverfahrens, dem Gläubiger- und dem Lenkungsausschuss ist Verdi vertreten. Noch intensiver kann man nicht eingebunden sein», sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Gespräche mit der Gewerkschaft fänden auch am Dienstag statt, Geiwitz gestalte diese «als hochtransparenten Prozess», sagte der Sprecher weiter.

Nach Informationen der Gewerkschaft liegt die Auslieferungsquote von Waren in Schlecker-Filialen zum Teil unter 70 Prozent. Verdi beruft sich dabei auf Aussagen von Schlecker-Beschäftigten, wie eine Sprecherin am Dienstag auf Anfrage sagte. «Offensichtlich fehlen Waren, die Belieferung läuft nicht optimal.» Doch von vollen Regalen hingen auch die Umsätze ab, die wiederum die Arbeitsplätze sicherten.

Aktuelle Lieferengpässe bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters indes nicht. «Die Auslieferungsquote liegt aktuell bei 80 Prozent.» Das sei in einem Insolvenzfall «absolut in Ordnung». Der Sprecher räumte aber ein, dass die Quote in den vergangenen Wochen durchgehend gestiegen sei.