Damaskus/Istanbul (dpa) - Der Einsatz der UN-Militärbeobachter in Syrien wird zum Hürdenlauf, noch bevor er richtig begonnen hat. Ein marokkanisches Mitglied des acht Mitglieder zählenden Vorauskommandos der Beobachter erklärte in der Hauptstadt Damaskus: «Es ist nicht einfach.»

Ein in Syrien stationierter westlicher Diplomat sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Das Team sieht sich mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert, was die praktischen Vorbereitungen und die geplanten Besuche in den Unruhegebieten angeht.» Im Land nimmt indes die Gewalt wieder zu. Aktivisten sprachen am Dienstag von landesweit 47 Toten. Die meisten Opfer soll es bei Militäroperationen in Idlib gegeben haben.

Die syrische Regierung will die Beobachter, die unbewaffnet sind, bei ihren Fahrten in die Protesthochburgen begleiten. Andernfalls könne sie die Sicherheit der Ausländer nicht garantieren, hieß es aus Regierungskreisen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Europäische Union auf, Hubschrauber und Flugzeuge für den Einsatz der Beobachter bereitzustellen. Er meldete Zweifel an, dass die vorgesehenen 250 Beobachter ausreichen, um flächendeckend mögliche Verletzungen der Waffenruhe festzustellen.

Ungeduldig zeigte sich der russische Außenminister Sergej Lawrow. Er sagte am Dienstag in Moskau in Anspielung auf Saudi-Arabien und Katar, «bestimmte Länder» verhinderten Fortschritte in Syrien, indem sie Waffen an die Opposition lieferten.

Syrische Regierungstruppen sollen indes am frühen Dienstagmorgen in der Stadt Idlib acht Menschen festgenommen und hingerichtet haben. Das berichteten Regimegegner. Sie meldeten außerdem neue Angriffe mit Granaten auf mehrere Gebiete in der Provinz Homs sowie Attacken in der Provinz Idlib, bei denen 34 Menschen ums Leben gekommen sein sollen. In der Provinz Daraa sei ein Vater bei dem Begräbnis seines Sohnes erschossen worden, hieß es. Der Sohn sei von den Regimetruppen getötet worden, als er desertieren wollte.

Am vergangenen Donnerstag war in Syrien offiziell eine Waffenruhe in Kraft getreten. Die Waffenruhe ist Teil des Friedensplans von Kofi Annan. Annan versucht als Sondergesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga im Syrienkonflikt zu vermitteln. Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, hatte am Montag erklärt, die Wahrscheinlichkeit, dass Annan mit seiner Friedensinitiative Erfolg haben werde, liege aus seiner Sicht bei nur drei Prozent. Der Annan-Plan sieht neben der Waffenruhe auch freien Zugang für humanitäre Hilfe und Journalisten vor sowie die Freilassung der politischen Gefangenen.