Washington (dpa) - Die Wirtschaft in Deutschland profitiert nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) von jüngsten Erfolgen im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise.

Die Wachstumsprognose für die Bundesrepublik könne nach oben korrigiert werden, wenn auch nur leicht, teilte der IWF in Washington mit. Das Bruttoinlandsprodukt steige in diesem Jahr voraussichtlich um 0,6 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im Januar erwartet, aber immer noch deutlich weniger als im vergangenen Jahr geschätzt. Für 2013 geht der Währungsfonds weiter von 1,5 Prozent Wachstum aus.

Das beherzte Eingreifen der Politik in Europa mit einem größeren Rettungsschirm habe rund um den Globus die Angst vor einem scharfen Abschwung mindern können, heißt es in dem am Dienstag vorgelegten Weltwirtschaftsausblick der Organisation. Entsprechend wurde die Prognose für die gesamte Weltkonjunktur angehoben. Im laufenden Jahr lege sie demnach um 3,5 Prozent zu - bislang war von 3,3 Prozent die Rede. Für 2013 schätzt der Fonds das Plus auf 4,1 Prozent - 0,1 Prozentpunkte mehr als zuletzt errechnet.

Es gebe aber weiterhin gewaltige Abwärtsrisiken. Die Gefahren der Verschuldung und wackeligen Finanzsysteme vor allem in Europa seien längst nicht ausgestanden. Derzeit herrsche eine Phase «angespannter Ruhe», sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard am Dienstag. «Man hat das Gefühl, dass die Dinge jeden Moment wieder sehr schlecht werden könnten.» Politiker der Euro-Staaten dürften im Kampf gegen die Krise keine Pause einlegen. «Brandmauern allein können die schwierigen Haushalts-, Wettbewerbs- und Wachstumsprobleme nicht lösen.»

Auch Deutschland könne sich nicht zurücklehnen. «Wie die anderen in der Euro-Zone steht es vor seinem Anteil struktureller Reformen», sagte der stellvertretende Leiter der IWF-Forschungsabteilung, Jörg Decressin. Der Bankensektor etwa noch zu sehr an den an den Staat gebunden.

So sehen die Zahlen trotz für die Eurozone trotz der gegenwärtigen Beruhigung immer noch düster aus. 2012 sei weiter mit einer Rezession zu rechnen, auch wenn sie «milder» ausfalle. Die Wirtschaftsleistung schrumpfe insgesamt um 0,3 Prozent. Im Januar wurde der Rückgang noch mit 0,5 Prozent beziffert. Vor allem die hoch verschuldeten Länder Spanien und Italien hätten Probleme. Beide Volkswirtschaften müssen derzeit Rückgänge von knapp 2 Prozent verkraften. Während Spanien den Minustrend 2013 voraussichtich stoppen könne, gehe er in Italien zunächst weiter.

Der Wirtschaftsausblick basiere auf der Annahme, dass die Lage stabil bleibe. Die «Achterbahn-Fahrt» im vergangenen halben Jahr habe aber gezeigt, dass die Prognose sich auch wieder ändern könne. «Das Hauptrisiko bleibt, dass es eine weitere Krise in Europa gibt», sagte Blanchard. Auch hohe Benzinpreise, geopolitische Spannungen und die Tendenz einiger Staaten wie die USA, in den öffentlichen Haushalten zu hastig und drastisch zu sparen, könnten die Weltwirtschaft abwürgen.

Globale Wachstumsmotoren bleiben laut dem IWF fast ungebremst die Schwellen- und Entwicklungsländer. Der Bericht sieht für sie dieses Jahr ein Wachstum von 5,7 Prozent voraus. Die Korrektur nach oben beträgt 0,2 Prozentpunkte. 2013 legen die aufstrebenden Volkswirtschaften um 6,0 Prozent zu. Doch auch hier ziehen einige dunkle Wolken am Horizont auf: Es drohe mancherorts eine Überhitzung auf den Kapitalmärkten.

IWF-Weltwirtschaftsausblick