Köln (dpa) - Die Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie tritt in eine entscheidende Phase. Die Arbeitgeber der Schlüsselbranche werden am Nachmittag aller Voraussicht nach das erste Angebot für die bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten vorlegen.

In der dritten Verhandlungsrunde in Nordrhein-Westfalen wird damit ein Signal für den Fortgang der Tarifverhandlungen gesetzt. Denn von dem Angebot der Arbeitgeber wird ganz wesentlich abhängen, in welche Richtung die weiteren Verhandlungen laufen werden, ob es Zündstoff für zusätzlichen Konflikt geben wird oder ob es Ansatzpunkte für Kompromisslinien beinhaltet.

Die IG Metall fordert in der laufenden Tarifrunde Einkommensverbesserungen von 6,5 Prozent sowie mehr Mitbestimmung der Betriebsräte bei der Zeitarbeit und eine unbefristete Übernahme von Ausgebildeten. Der Verhandlungsführer von Metall NRW, Horst-Werner Maier-Hunke, hatte vor wenigen Wochen von schwierigen Verhandlungen gesprochen.

Ein Sprecher von Metall NRW wollte im Vorfeld der Verhandlungen keine näheren Angaben zu der wahrscheinlichen Offerte der Arbeitgeber machen. Allerdings hatte der Präsident von Gesamtmetall, Martin Kannegießer, vor wenigen Tagen ein Angebot noch vor Ablauf der Friedenspflicht Ende April angekündigt. NRW macht nun den Auftakt der dritten Tarifrunde. Am Donnerstag folgen unter anderem Baden-Württemberg und Bayern. Im Anschluss an die Verhandlungen haben beide Tarifpartner zu einer Pressekonferenz geladen.

Nicht nur die Höhe der Gehaltsforderung der IG Metall stößt bei den Arbeitgebern auf Widerspruch. Sie wollen darüber hinaus verhindern, dass die Betriebsräte stärkeren Einfluss auf Zeitarbeit nehmen, die sie als ein wichtiges flexibles und kostengünstiges Instrument zur Steuerung des Arbeitskräfteeinsatzes sehen. Auch eine unbefristete Übernahme der Ausgelernten wollen die Arbeitnehmer vermeiden.

Die IG Metall zeigt sich bislang bei den Themen Zeitarbeit und unbefristete Übernahmen hart. Wie schwierig die Gemengelage ist zeigt, dass sich die Tarifpartner bereits in zwei Sondierungsrunden im Vorfeld der Tarifrunde fast aussichtslos verhakt haben. Die Arbeitgeber verhielten sich wie ein Faultier, hatte IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard am Ende der zweiten Verhandlungsrunde gesagt. Noch hätten sie aber die Chance, eine gute Lösung auf dem Verhandlungsweg zu ermöglichen.