Manama (SID) - Das von einem Anschlag vor den Augen von vier Teammitgliedern geschockte Formel-1-Team Force India hat am Mittag auf das zweite freie Training vor dem Rennen in Bahrain verzichtet, die kollektive Abreise nach einer Krisensitzung aber ausgeschlossen. Damit alle Teammitglieder bis zum Anbruch der Dunkelheit zurück ins Hotel gebracht werden konnten, standen die Autos von Nico Hülkenberg und Paul di Resta in der bis 15.30 Uhr Ortszeit dauernden Sitzung am Nachmittag die gesamte Zeit in der Box.

Am Morgen waren der Deutsche und der Schotte allerdings gefahren. Und eine Abreise des gesamten Teams kam für den stellvertretenden Teamchef Bob Fernley auch nicht in Frage. "Keine Chance, dass wir uns zurückziehen", sagte er: "Wir wollen dazu beitragen, dass diese Veranstaltung möglichst normal über die Bühne geht." Formel-1-Boss Bernie Ecclestone stellte derweil klar, er habe "keinerlei Informationen, dass irgendein Team noch abreisen wird".

Die vier Mechaniker des Teams waren nur knapp einem Anschlag am Mittwochabend entgangen. Ein Daten-Ingenieur und ein Funkspezialist entschieden sich daraufhin zur Abreise aus dem Krisenstaat im Persischen Golf.

Daraufhin diskutierten Fernley und Sportdirektor Andy Stevenson die Situation ausgiebig mit Pasquale Lattuneddu, der rechten Hand Ecclestones, dem englischen Bahrain-Sicherheitsberater John Yates und dem Strecken-Repräsentanten Martin Whitaker. "Wir wollten sichergehen, dass die richtigen Maßnahmen getroffen werden", sagte Fernley.

Nach dem Gespräch veranlasste Fernley umgehend, dass seine Teammitglieder nur noch in größeren Gruppen unterwegs sind. Außerdem engagierte er Einheimische als Streckenführer. "Wir wollen nicht, dass unsere Jungs in Gegenden geraten, wo sie besser nicht sein sollten", erklärte er: "Wir wollen auch keine bewaffneten Leute an unserer Seite haben. Aber wir werden Ortskundige mit in den Fahrzeugen haben - für den Fall, dass sich jemand verfährt."

Er selbst fahre künftig immer "erst dann in mein Hotel, wenn ich überprüft habe, ob alle anderen sicher angekommen sind. Wir werden dafür Sorge tragen, dass alle okay sind. Das hat nichts Einschränkendes oder Schlimmes an sich, sondern ist einfach der sensible Umgang mit der aktuellen Situation."