Düsseldorf (dpa) - Vor kurzem hat der deutsche Ethikrat die Einführung eines «dritten Geschlechts» ins Personenstandsrecht empfohlen - für Menschen, bei denen nicht eindeutig festzustellen ist, ob sie Mann oder Frau sind. Bis zu 10 000 Menschen gelten allein in Deutschland als intersexuell.

Die weitgehend unbekannte und gesellschaftlich tabuisierte Welt der fließenden Geschlechtergrenzen hat die französische Starfotografin Bettina Rheims (59) nun im wahrsten Sinne ans Licht geholt.

In ihrer neuen Arbeit fotografierte Rheims 27 androgyne, trans- oder intersexuelle Menschen aus verschiedenen Ländern. Als erstes Museum präsentiert das NRW-Forum bis zum 17. Mai die berührende Foto-und Klanginstallation «Gender Studies» (Geschlechterstudien). 24 erotische Porträts in einem quadratischen weißen Raum zeigen junge Menschen, die sich anders fühlen. Unterlegt ist die Schau mit einem Klangteppich ihrer Stimmen.

Aus den Bildern entblößter, mit weißer Wäsche drapierter Körper spricht Unschuld und Selbstbewusstsein zugleich. Bei kaum einem Foto kann der Betrachter feststellen, ob es sich um Frau oder Mann handelt. Oft ist das Schicksal der Porträtierten nur zu erahnen. Lea T. hat einen Frauenbusen und das offenbar männliche Geschlecht abgeklebt. Träumerisch blickt Simon N. mit getuschten Wimpern und tätowiertem Arm in die Kamera.

Engelsgleich und kindlich sind die einen. Bei anderen ist das Leben am Körper abzulesen. Der schnauzbärtige Kael T. hat unter den Brustwarzen lange Operationsnarben. Andrej P. mit langer blonder Mähne und verführerischem Mund hat schon für Gaultier und andere Modedesigner posiert - als Mann oder als Frau, je nachdem.

Bettina Rheims, die früher selbst Model war, hatte bereits vor 20 Jahren auf dem Höhepunkt der Aids-Diskussion androgyne Menschen in der Serie «Modern Lovers» fotografiert. Darunter war auch die noch unbekannte Kate Moss, die Karriere als Model machte.

Ihre neuen Modelle fand Rheims über einen Aufruf in Facebook. Sie habe herausfinden wollen, wie sich die Welt der Geschlechter seit den 80er Jahren geändert habe, sagte sie in Düsseldorf. So habe sie erstmals Frauen getroffen, die Männer sein wollten. «Ich fand das sehr verstörend.» Die überraschendste Entdeckung für sie aber sei gewesen, dass viele Menschen mit undefiniertem Geschlecht heute beides sein wollten, Mann und Frau. Zwar seien sie in der Gesellschaft marginalisiert, aber nicht unglücklich oder traurig. «Sie träumen von einer besseren Zukunft», sagt Rheims. «Und sie haben viel Mut.»

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