's-Hertogenbosch (SID) - Der deutsche Reitsport ist geschockt: Dressur-Bundestrainer Holger Schmezer ist in 's-Hertogenbosch (Niederlande), wo derzeit das Weltcup-Finale stattfindet, plötzlich und unerwartet verstorben. Der 65-Jährige wurde am frühen Donnerstagabend in seinem Hotelzimmer tot aufgefunden. Die näheren Umstände des Todes seien noch nicht bekannt, teilte die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN mit. Holger Schmezer hinterlässt seine Ehefrau und eine Tochter.

"Wir können es nicht fassen, dass Holger Schmezer nicht mehr unter uns ist. Der Dressursport verliert einen seiner engagiertesten Trainer und einen gradlinigen Menschen, der stets klare Worte fand und immer nur das Beste für die Dressur wollte", sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau: "Wir sind unendlich traurig. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie."

Der im niedersächsischen Verden beheimatete Schmezer hatte zum Jahresbeginn 2001 das Amt des Bundestrainers übernommen. Seitdem feierte er jede Menge Erfolge mit der deutschen Equipe, u.a. Mannschaftsgold bei Olympia 2004 und 2008.

Auch in 's-Hertogenbosch betreute Schmezer das deutsche Team mit der fünfmaligen Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg), Helen Langehanenberg (Havixbeck) und Nadine Capellmann (Würselen). Die drei Reiterinnen reagierten ebenfalls geschockt, kündigten aber an, dass sie am Freitag im Grand Prix (14.00 Uhr) des Weltcup-Finals an den Start gehen wollten - weil es Schmezer so gewollt hätte.

Schmezer bereitete die deutsche Mannschaft seit Monaten akribisch auf die Olympischen Spiele in London vor. Der Coach tat alles dafür, dass seine Equipe die historische Goldserie verteidigen würde. Seit Silber 1972 in München stand das deutsche Team bei Olympia mit Ausnahme der Boykott-Spiele 1980 in Moskau stets ganz oben auf dem Treppchen. Am Ende des Jahres wollte Schmezer zurücktreten, aber weiterhin als Ausbilder und Richter arbeiten.

Der 1947 in Bad Rappenau bei Heidelberg geborene Schmezer kam als 15-Jähriger durch den Modernen Fünfkampf zum Reiten. Nach einer Ausbildung zum Bereiter arbeiterte er unter Ausbilderlegende Willi Schultheiss in Hamburg. 1997 eröffnete er in Verden einen Dressur- und Ausbildungsstall. 1996 wurde er Bundestrainer der Junioren und Jungen Reiter.