Potsdam (dpa) - Eine Ausstellung der Superlative für Friedrich den Großen: Dem 300. Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich II. (1712-1786) ist die zentrale Schau «Friederisiko» im Neuen Palais in Potsdam-Sanssouci gewidmet.

In Friedrichs größtem und prunkvollsten Schloss wurden 72 der insgesamt rund 920 Räume hergerichtet und ausgestattet wie zu seinen Lebzeiten. Viele Räume sind erstmals seit Jahren der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Ab Samstag steht die Schau dem Publikum offen. Mehrere Hunderttausend Besucher werden bis Ende Oktober erwartet.

«Endlich, endlich ist es soweit», sagte Hartmut Dorgerloh, Direktor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg, am Donnerstag in Potsdam. Mehr als 500 Exponate aus aller Welt finden auf 6000 Quadratmetern ein außergewöhnliches Ambiente. Kostbare Plastiken und Skulpturen, kunstfertige Wandbespannungen, Gemälde, außergewöhnliches Möbel, Leuchter, Bücher und Porzellan sind zu sehen. Aber auch das Skelett seines Lieblingspferdes Condé, einige seiner Flöten oder die lebensgroße Skulptur des einstigen Freundes Voltaire kamen extra ins Palais. Die Schau kostet rund 6,5 Millionen Euro. Kulturstaatsminister Bernd Neumann betonte in einer Mitteilung, am authentischen Ort erwarte die Besucher eine Zeitreise ins Europa des 18. Jahrhunderts und zugleich eine Annäherung an Charakter und Persönlichkeit einer der wichtigsten Herrscher der Geschichte. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte: «Das Handeln des Preußenkönigs lässt sich nur im Kontext der damaligen Zeit erklären und bewerten.» Ihn zu verstehen, reduziere sich nicht allein auf die öffentliche Person.

Die Schau will nicht chronologisch Friedrichs Leben von der Wiege bis zur Bahre - vom Kronprinzen bis zum Alten Fritz - zeigen, sondern wird als einmalige Präsentation mit vielen Superlativen gesehen. Aus verschiedenen Blickwinkeln soll der König den Besuchern in seiner ganzen Widersprüchlichkeit nahe gebracht werden. «Er war ein genialer PR-Stratege, ein Machtmensch, Manipulator und Selbstdarsteller», sagte Dorgerloh.

In insgesamt zwölf Kapiteln geht es um sein Verhältnis zu Freunden, Familienangehörigen, aber auch zu seinen Pferden und Hunden. Sein Hang zum Risiko wird beleuchtet, die Beziehungen zu anderen gekrönten Häupter oder der Tagesablauf vom frühen Aufstehen bis zur abendlichen Männerrunde, in der er sich am wohlsten fühlte.

Er war ein guter Flötenspieler, Philosoph, Förderer der schönen Künste, Verfechter preußischer Tugenden, aber auch ein den Luxus liebender Monarch, der mehrere Kriege führte. In die Geschichtsbücher ging er ein als Friedrich der Große, dem es gelang, Preußen aus der Bedeutungslosigkeit in die Mitte Europas zu rücken. Zu Friedrichs Persönlichkeit gehört auch die Abneigung gegen Frauen, eingeschlossen die eigene. Dorgerloh: «Dass Friedrich II. homosexuell war, ist sicher.»

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