Berlin/Hamburg (dpa) - Berlin und Hamburg sind anders als in früheren Jahren vergleichsweise ruhig und ohne große Krawalle in den 1. Mai gekommen.

Nach der relativ friedlichen Walpurgisnacht rüstete sich die Polizei in beiden Städten am Dienstag für die traditionellen Aktionen linker Gruppierungen am Abend. Sie hoffte, dass es auch dabei ruhig bleiben würde.

Bei der Berliner Antikapitalistischen Walpurgisnacht mit rund 3000 Teilnehmern, die erstmals im alten Arbeiterbezirk Wedding stattfand, wurden am Montagabend vereinzelt Flaschen, Steine und Böller auf Beamte und Polizeiautos geworfen. Acht Polizisten wurden leicht verletzt. Auf mehreren Dächern entlang der Demoroute hatten Vermummte bengalische Feuer gezündet. Die Polizei schritt gegen einige Vermummte ein, es gab vier Festnahmen - deutlich weniger als im Vorjahr.

Im Hamburger Schanzenviertel verlief die Walpurgisnacht nahezu ohne Zwischenfälle. Zwischenzeitlich wurden der Polizei zufolge lediglich einige Mülltonnen und Abfall in der Nähe des links-alternativen Kulturzentrums Rote Flora angezündet, aber schnell wieder gelöscht.

Die Protestaktion in Berlin wurde vorzeitig beendet, nachdem etwa 200 schwarz gekleidete Demonstranten eine Menschenkette bilden wollten und die Polizei einschritt. Die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers bezeichnete den Einsatz der Beamten als sehr gelungen. «Das ist ein gutes Zeichen für den 1. Mai.» Die Polizei habe sich nicht provozieren lassen. Das Konzept der Polizei sei aufgegangen, sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) der «B.Z.» (Mittwoch). Die Einsatzkräfte seien besonnen vorgegangen, hätten aber schnell und konsequent gegen Straftäter durchgegriffen.

Die Polizei leitete gegen die vier Festgenommenen Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Widerstandes gegen Beamte ein. 2011 waren in der Nacht zum 1. Mai 58 Randalierer festgenommen worden. 25 Polizisten waren verletzt worden.

Am 1. Mai kamen knapp 30 000 Menschen zum traditionellen Myfest im Berliner Stadtteil Kreuzberg zusammen. Die Stimmung war friedlich und entspannt. Laut Polizei zogen aber bis zu 1000 linke Teilnehmer und Vertreter von Kiezinitiativen mit einer Spontandemo durch das Myfest. Sie protestierten gegen steigende Mieten und Verdrängung aus dem Kiez. Zu sehen waren Transparente mit Parolen wie «Schnauze voll von hohen Mieten» und «Wir bleiben alle». Es kam zu einzelnen Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten. Der Zug zerstreute sich laut Polizei wieder. Er wurde von zahlreichen Zivilpolizisten begleitet.

Die Polizei blickte mit gespannter Ruhe auf die sogenannte Revolutionäre 1. Mai-Kundgebung, die am Dienstagabend in Kreuzberg starten und erstmals bis Mitte führen sollte. Die Organisatoren gingen von 15 000 Teilnehmern aus. Die Polizei war mit einem Aufgebot von rund 7000 Beamten im Einsatz. Aus dieser Demo heraus war es in den Vorjahren immer wieder zu Gewaltausbrüchen gekommen. «Wir haben Respekt vor der Aufgabe. Aber wir sind bestens vorbereitet», sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Als neuralgischer Punkt wurde auch das Springer-Hochhaus in der Nähe der Demoroute von zahlreichen Polizisten gesichert.

Unter dem Motto «Keine Alternative zur Revolution!» begann am Abend auch in Hamburg die sogenannte revolutionäre 1. Mai-Demonstration. An den St. Pauli-Landungsbrücken versammelten sich laut Polizei mehr als 700 Teilnehmer, um über die Reeperbahn bis zum Stadtteil Ottensen zu ziehen. «Wir rechnen damit, dass es friedlich ist», sagte eine Sprecherin. Die Beamten rüsten sich aber für mögliche Ausschreitungen, mehrere Hundertschaften waren im Einsatz. Im Anschluss an die Demonstration war es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Krawallen gekommen.