Bonn/Düsseldorf (dpa) - Nach neuen gewalttätigen Ausschreitungen von Salafisten bei einer Provakation durch eine rechte Splitterpartei hat sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) entsetzt gezeigt.

«Die systematischen Provokationen der Rechtsextremisten von Pro NRW mit islamfeindlichen Karikaturen rechtfertigen in keinster Weise diese Ausschreitungen», sagte Jäger am Sonntag in Düsseldorf. «Das waren keine spontanen Angriffe, denn die Salafisten hatten zuvor intensiv bundesweit für ihre Aktion mobilisiert.»

Bei den Ausschreitungen waren am Samstag in Bonn 29 Polizeibeamte verletzt worden, davon zwei durch Messerstiche. Sie wurden weiter im Krankenhaus behandelt. Lebensgefahr bestehe nicht, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Nach Angaben der Polizei gab es mehr als 100 Festnahmen. Demonstranten von Pro NRW hatten islamfeindliche Karikaturen gezeigt, Anhänger der Salafisten hatten daraufhin die Polizei angegriffen, die sich zwischen beiden Seiten postiert hatte. Bereits am 1. Mai war es in Solingen am Rande eines Pro-NRW-Auftritts zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen.

Der Landesinnenminister kündigte intensive Ermittlungen an, um alle Gewalttäter zur Rechenschaft zu ziehen. Bei den Provokationen von Pro NRW gehe es um deutlich mehr als um unanständigen Wahlkampf. «Pro NRW ist gefährlich für unsere Demokratie», sagte Jäger. Die Rechtsextremen von der Splitterartei schürten gezielt Hass gegen vier Millionen Muslime, die friedlich in Deutschland lebten und die sich von Salafisten distanzierten. Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus, fordete, alle juristischen Möglichkeiten bis hin zu Partei-und Vereinsverboten in Betracht zu ziehen.