Berlin (dpa) - Putschgerüchte gegen Parteichef Philipp Rösler versetzen die FDP in Aufregung. Die Landeschefs aus Hessen, Baden-Württemberg und Bayern stärkten dem Bundesvorsitzenden jedoch den Rücken, Rösler selbst wies Rückzugsgerüchte weit von sich.

Zugleich übernahm Christian Lindner am Sonntag den Vorsitz im wichtigen Landesverband Nordrhein-Westfalen.

Ein Landesparteitag in Gütersloh wählte den 33-jährigen Hoffnungsträger und NRW-Spitzenkandidaten der Liberalen eine Woche vor der Landtagswahl mit knapp 97,9 Prozent zum Chef des größten Landesverbandes. Lindner löst damit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr ab, der nicht wieder für den Vorsitz kandidiert hatte.

Nach Informationen des «Spiegels» sollen führende FDP-Politiker bereits ein konkretes Szenario entworfen haben, um Rösler noch in diesem Jahr abzulösen. Der Niedersachse habe nicht das Format, die Liberalen in die Bundestagswahl 2013 zu führen, zitierte das Magazin ein Mitglied der Parteispitze.

Wie der Deutschen Presse-Agentur dpa in Röslers direktem Umfeld gesagt wurde, lässt sich der 39-jährige Vizekanzler dadurch nicht beunruhigen. «Rösler denkt absolut nicht an Rückzug.» Er werde als Bundesvorsitzender, Vizekanzler und Wirtschaftsminister in der schwarz-gelben Koalition unverändert für solide Sacharbeit und «klare Kante im Regierungshandeln» stehen.

Der «Spiegel» berichtete, nach dem Willen von Ministern, Landesvorsitzenden und Präsidiumsmitgliedern solle Fraktionschef Rainer Brüderle den Parteivorsitz übernehmen. Die Führer des Aufstands gegen Rösler kämen aus der «Südschiene» der FDP, zu der Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zählen.

Die Parteispitzen aus diesen Ländern beeilten sich, dem Parteichef ihre fortdauernde Unterstützung zuzusagen. Die bayerische FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte der dpa: «Medienberichte, die von Personaldebatten ausgehen, sind abstrus und völlig aus der Luft gegriffen.»

Die baden-württembergische FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger betonte: «Es ist Irrsinn, jetzt eine Personaldebatte zu beginnen. Das schadet der FDP.» Die Liberalen in Baden-Württemberg beteiligten sich daran nicht, erklärte die stellvertretende Chefin der Bundes-FDP.

Die hessische FDP sieht die Partei mit Philipp Rösler an der Spitze wieder im Aufwind. «Das wollen wir in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen mit entsprechenden Wahlergebnissen dokumentieren», sagte der Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn der dpa in Wiesbaden. «Alle Liberalen müssen jetzt solidarisch zusammen kämpfen: für Wolfgang Kubicki, Christian Lindner und Philipp Rösler.»

Auch in Kreisen der Bundestagsfraktion wurden die Gerüchte als «absurd» bewertet. Der «Spiegel» hatte unter Berufung auf ein Mitglied der Fraktionsführung gemeldet, auf einer Klausurtagung der Fraktion im Herbst solle der Druck auf Rösler so erhöht werden, dass dieser aufgeben müsse. «Es ist keine einfache Operation, aber eine notwendige.» Brüderle hat immer wieder betont, dass er für einen Sturz Röslers nicht zu haben sei.

Mehrere Mitglieder der engen Parteiführung sagten am Wochenende der dpa, es sei kontraproduktiv, die FDP jetzt erneut in eine Personaldebatte zu stürzen. Ziehe die Partei an diesem Sonntag in Schleswig-Holstein und am 13. Mai in Nordrhein-Westfalen mit guten Ergebnisse in die Landtage ein, werde dies auch Rösler und die Bundespartei stabilisieren.

«Spiegel»-Bericht

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