Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat den Kampf um eine zweite Amtszeit vermutlich verloren. Nach ersten inoffiziellen Hochrechnungen muss er die Macht an den Sozialisten Hollande abgeben.

Paris/Brüssel (dpa) - In Frankreich zeichnet sich der erwartete Machtwechsel ab. Erste inoffizielle Prognosen und Hochrechnungen zur Präsidentenwahl sahen am frühen Sonntagabend den Sozialisten François Hollande klar vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Hollande wäre der erste linke Präsident Frankreichs seit François Mitterrand. Dieser schied vor 17 Jahren aus dem Amt. Sarkozys Parteifreund Jacques Chirac gewann damals die Wahl.

Die letzten Wahllokale in Großstädten wie Paris waren noch bis 20.00 Uhr geöffnet. Danach sollten die ersten offiziellen Hochrechnungen veröffentlicht werden. Nach den inoffiziellen Zahlen konnte Hollande mit einem Ergebnis von rund 53 Prozent rechnen. Die Entscheidung fiel nach einem erbittert geführten Wahlkampf, in dem die von Sarkozy verantworteten drastischen Sparmaßnahmen während der Euro-Krise eine große Rolle spielten.

Als Kernprojekte in Hollandes politischem Programm gelten eine umfassende Reform des Steuersystems und Maßnahmen in den Bereichen Bildung und Beschäftigung. So sollen Besserverdiener und Unternehmen stärker belastet werden und 60 000 neue Jobs im Bildungsbereich geschaffen werden.

Zudem will Hollande den Fiskalpakt in Europa neu verhandeln und bis Ende 2012 die französischen Truppen aus Afghanistan abziehen. Sarkozy bezeichnete beide Vorschläge im Wahlkampf als unverantwortlich. Auch von der Bundesregierung kam Kritik. Nach Angaben aus seinem Wahlkampfteam wollte Hollande im Fall eines Sieges noch am Sonntagabend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Kontakt aufnehmen.

Bei der Stichwahl hatte sich seit dem Morgen eine hohe Wahlbeteiligung abgezeichnet. Bis 17.00 Uhr gaben nach Angaben des Innenministeriums 71,96 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Das Meinungsforschungsinstitut Ifop teilte mit, voraussichtlich werde sie am Ende bei 81,5 Prozent liegen. Bei der Präsidentenwahl 2007 waren es knapp 84 Prozent gewesen. Insgesamt waren 46 Millionen Franzosen zur Wahl aufgerufen. Rund 900 000 Franzosen in den Überseegebieten konnten bereits am Samstag abstimmen.

Die beiden Kandidaten waren am Sonntagvormittag betont entspannt zur Wahl gegangen. Lächelnd und Hände schüttelnd erschien Hollande mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler in einem öffentlichen Gebäude seines Wahlkreises Tulle. Auch Sarkozy zeigte sich demonstrativ gelassen bei der Stimmabgabe im vornehmen 16. Pariser Arrondissement. Er erschien in Begleitung seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy. Sarkozy hatte zuletzt seinen Rückstand verringern können. Dennoch war Hollande als großer Favorit in die entscheidende Runde der Präsidentenwahl gegangen.

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