Washington (dpa) - Ein halbes Jahr vor der US-Präsidentenwahl hat der demokratische Amtsinhaber Barack Obama offiziell den Kampf um seine zweite Amtszeit eröffnet.

Unter dem Motto «Vorwärts» rief Obama am Samstag seine Anhänger in Columbus (Ohio) und danach in Richmond (Virginia) dazu auf, nicht zuzulassen, «dass die Uhren in Amerika zurückgestellt werden». Als Abgrenzung zu seinem republikanischen Herausforderer, dem Multimillionär Mitt Romney, präsentierte sich Obama als Kämpfer für die Mittelschicht und bekräftigte seine Forderung nach einer Reichensteuer.

Mit hochgekrempelten Hemdsärmeln versprach Obama einen Kampf um jede Stimme bis zu den Wahlen am 6. November. «Wir werden gewinnen, auf die alte traditionelle Weise: Von Tür zu Tür, Straße für Straße», sagte er bei seinem Auftritt in der Ohio State University.

Obama wählte Ohio und Virginia für den Wahlkampfauftakt, weil diese zu den besonders hartumkämpften Staaten gehören. 2008 hatte in Ohio und Virginia eine Mehrheit für Obama gestimmt, 2004 war der Republikaner George W. Bush in diesen Staaten erfolgreich. Beide gewannen jeweils die Präsidentenwahl.

Der Präsident räumte ein, dass das Rennen gegen Romney noch knapper werde als vor vier Jahren das gegen John McCain: «Deshalb brauche ich Ihre Hilfe.» Es stehe einfach zu viel auf dem Spiel. «Dies ist keine übliche Wahl», rief Obama vor Tausenden jubelnden Anhängern. «Dies ist eine Wahl, in der es um Alles oder Nichts für die Mittelschicht geht.»

In den Mittelpunkt seiner Reden stellte Obama klar den Kampf für Chancengleichheit. So forderte er einen höheren Steuerbeitrag der Reichen, ihren «fairen Anteil» auf dem Weg nach vorn nach der Überwindung der schwersten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression. Nach einem Jahrzehnt der Kriege, so Obama mit Blick auf die Einsätze im Irak und in Afghanistan, «ist die Nation, die wir wiederaufbauen müssen, unsere eigene».

Vor allem die wirtschaftliche Lage belastet den Wahlkampf Obamas. Keiner seiner Vorgänger in den letzten sechs Jahrzehnten konnte eine zweite Amtszeit erreichen, wenn die Arbeitslosenquote über 7,2 Prozent lag. Die jüngste Zahl: 8,1 Prozent Erwerbslose im April. Das ist zwar der niedrigste Stand seit mehr als drei Jahren. Aber der Rückgang wird vor allem damit begründet, dass sich viele Amerikaner aus der Gruppe der Arbeitssuchenden abgemeldet hätten.

Obama versuchte deutlich, die Begeisterung und die Energie wiederzubeleben, die seinen Wahlkampf 2008 geprägt hatten. So stellte er sich erneut als ein Kandidat des Wandels dar und stellte immer wieder den scharfen Kontrast zu Romney heraus, mit dem er derzeit in Umfragen fast gleichauf liegt.

Der Präsident porträtierte den Ex-Gouverneur und Multimillionär als einen Mann, der die Sorgen und Nöte der Normalbürger nicht verstehe und nach alten Rezepten greife, die sich nicht bewährt hätten. «Es geht nach wie vor um Hoffnung, um Wandel, es geht nach wie vor um die normalen Leute», sagte Obama in Anlehnung an seine Wahlkampfslogans «Hope» und «Change» von 2008. Man könne jetzt nicht zurückgehen, «dazu sind wir zu weit gekommen», erklärte Obama. So brauche das Land beispielsweise keinen neuen Streit um das Abtreibungsrecht oder Verhütungsmittel. «Wir bewegen uns nach vorn.»

Als Wahlkampfhelferin hatte Obama seine Frau Michelle an der Seite, die das Publikum jeweils auf den Auftritt des Präsidenten einstimmte. «Seid ihr bereit?» fragte sie die Menge in Ohio. «Er brauchte eure Hilfe», sagte sie im Sportstadion der Virginia Commonwealth University.