Kabul (dpa) - Die Bemühungen der afghanischen Regierung um eine Aussöhnung mit den Taliban haben erneut einen Rückschlag erlitten. Acht Monate nach dem Mord an Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani wurde am Sonntag ein weiteres wichtiges Mitglied des Hohen Friedensrates in Kabul getötet.

Arsala Rahmani sei auf der Fahrt zum Büro aus einem anderen Auto heraus erschossen worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Taliban wiesen eine Tatbeteiligung zurück. Rahmani stand dem Ratskomitee für Taliban-Gefangene vor und war ein enger Berater von Präsident Hamid Karsai. Er soll Kontakte zu den Aufständischen unterhalten haben, mit denen Karsai eine Aussöhnung herbeiführen will. Unter dem Ende 2001 gestürzten Taliban-Regime war Rahmani Vize-Bildungsminister gewesen.

Rabbani, der damalige Vorsitzende des Friedensrates, war im vergangenen September bei einem Selbstmordanschlag in seiner Residenz in Kabul ermordet worden. Der Attentäter, der den Sprengsatz in seinem Turban versteckt hatte, hatte sich als Abgesandter des Führungsrates der Taliban ausgegeben. Im vergangenen Monat hatte Karsai Rabbanis Sohn Salahuddin Rabbani zum Nachfolger an der Spitze des Friedensrates ernannt.

Burhanuddin Rabbanis Ermordung war ein schwerer Rückschlag für den von Karsai und vom Westen angestrebten Friedensprozess in Afghanistan. Der Prozess soll die Eskalation der Gewalt stoppen und den Konflikt langfristig beenden. Bislang zeigen die Bemühungen um eine Aussöhnung mit den Aufständischen keine Erfolge.

Die Taliban hatten kürzlich den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive verkündet und damit gedroht, Regierungsangestellte, Ausländer und Angehörige des Friedensrates zu töten. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte am Sonntag aber, die Aufständischen seien an der Ermordung Rahmanis nicht beteiligt gewesen. Eine Beteiligung an der Tötung Rabbanis haben die Taliban weder bestätigt noch dementiert.

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