Berlin (SID) - Helge Meeuw war einer der ersten Gratulanten. "Wir sind gut befreundet, er hat mir gleich gratuliert", berichtete Jan-Philip Glania, nachdem er bei der Schwimm-DM in Berlin den sechs Jahre alten Rekord des Staffel-WM-Dritten über 200 m Rücken gebrochen hatte: "Es ist eine besondere Ehre, seine Marke zu knacken."

Der Militär-Weltmeister von 2009, der sich aus dem Nichts auf Platz zwei der Jahresweltbestenliste katapultierte, war die größte Überraschung bei den deutschen Meisterschaften. Anfang März hatte der 23-Jährige aus Fulda, der in Frankfurt zusammen mit Freistilsprinter Marco di Carli trainiert, wegen eines grippalen Infekts noch die EM-Qualifikation verpasst. Somit hatte er nur eine Chance, ein Olympia-Ticket zu lösen.

Dass er in 1:55,87 Minuten deutschen Rekord schwamm, hatte der Student der Zahnmedizin selbst nicht erwartet. "Ich wusste gar nicht genau, wo der steht. Damit habe ich mich überhaupt nicht beschäftigt", gab Glania zu, "es ging nur um die Olympia-Norm." Die unterbot er um über zwei Sekunden.

Am Sonntag war er auch über 100 m in 53,50 Sekunden schneller als gefordert, Meeuw dagegen verpasste die Norm. Seine Leistungsexplosion erklärte Glania auch mit dem alten Rekordhalter. "Es hat sich eine Schar um Helge herum gebildet, die sich immer gegenseitig hochgepuscht hat", sagte Glania, der seine eigene Bestzeit um über zweieinhalb Sekunden verbesserte. Immerhin waren hinter ihm auch die beiden Potsdamer Yannick Lebherz, der sich schon über 400 m Lagen für London qualifiziert hatte, und Felix Wolf unter der Norm geblieben. Wolf fiel als Dritter allerdings durchs Olympia-Rost.

Nach Frankfurt kam Glania dank Freistil-Rekordhalter di Carli. "Ich kenne Marco schon seit sechs Jahren", erzählte er, "in dieser Trainingsgruppe ist jedes Training wie ein Wettkampf." Sein Trainer Michael Ulmer, der früher auch Meeuw betreute, ist voll des Lobes über den "Spätstarter". Er habe "einen Riesensprung gemacht", sagte der Coach: "Im Training ist er sehr diszipliniert, und er hat körperlich beste Voraussetzungen."