Peking (dpa) - Der blinde chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng und seine Familie sollen China noch am Samstag verlassen. Das berichtete die in den USA ansässige Menschenrechtsgruppe ChinaAid nach einem Telefonat mit dem 40-Jährigen.

Sie seien auf dem Weg zum Pekinger Flughafen, berichtete Bob Fu von ChinaAid, der engen Kontakt zu dem Aktivisten hat. Ein Vertreter der amerikanischen Botschaft in der chinesischen Hauptstadt wollte sich auf dpa-Anfrage zunächst nicht dazu äußern: «Ich kann noch nichts sagen.» Die USA hatten bereits signalisiert, Chen Guangcheng, seiner Frau und beiden Kindern sofort ein Visum auszustellen, sobald sie ihre Reisepässe haben.

Überraschend hätten Behördenvertreter Chen Guangcheng und seine Familie im Chaoyang Krankenhaus aufgefordert, ihre Sachen zu packen und sich darauf vorzubereiten, noch am selben Tag in die USA auszufliegen, berichtete Bob Fu. Allerdings hätten sie ihre am Mittwoch beantragten Reisepässe noch nicht erhalten. Wohin sie in den USA ausfliegen sollen, sei zunächst auch nicht bekannt.

Am 22. April war Chen Guangcheng aus 19 Monaten Hausarrest in seinem Heimatdorf Dongshigu in Shandong mit Hilfe von Freunden in die US-Botschaft in Peking geflüchtet. Damit hatte er eine diplomatische Krise ausgelöst. Er verließ die US-Vertretung am 2. Mai unter Zusagen, mit seiner Familie vereint zu werden. Aus Angst um seine Sicherheit entschied er sich dann doch für die Ausreise.

ChinaAid