Athen (dpa) - Überschattet von den Reaktionen auf den angeblichen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel für ein Referendum zum Euroverbleib Griechenlands soll am Samstagvormittag das Parlament in Athen aufgelöst werden.

Staatspräsident Karolos Papoulias sollte ein entsprechendes Dekret am Morgen unterzeichnen. Dann beginnt offiziell auch der Wahlkampf für die Neuwahlen am 17. Juni. Am Vorabend hatten Informationen aus dem Büro des griechischen Interims-Ministerpräsidenten Panagiotis Pikrammenos, Merkel habe dem griechischen Staatspräsidenten Karolos Papoulias die Idee einer Volksbefragung zum Thema Euro unterbreitet, zu scharfen Reaktionen in Athen geführt. Alle Parteien - von der Schwesterpartei der CDU Nea Dimokratia bis hin zu den Kommunisten - verurteilten eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes. Berlin hatte allerdings diese Information entschieden dementiert.

Die konservative Zeitung «Eleftheros Typos» titelte: «Noch nie dagewesene politische Intervention untergräbt das politische Klima.» Die Parteizeitung der Linksradikalen «Avgi» schrieb: «Grobe Erpressung - Nein dem Ultimatum Merkels.» Ein Kommentator des griechischen Radios fragte sich: «Wer lügt?»

Die erst vor zwölf Tagen gewählte Volksversammlung musste am Freitag zunächst formell ein Präsidium und andere Gremien wählen, um gemäß der Verfassung aufgelöst werden zu können. Es sei das kurzlebigste Parlament seit dem Zweiten Weltkrieg in Griechenland, berichteten griechische Medien.