Chicago (dpa) - Mit Beginn des Nato-Gipfels spitzt sich die Sicherheitslage drastisch zu. Immer mehr Aktivisten fordern die Einsatzkräfte heraus. Der lange weitgehend friedliche Protest droht zu kippen.

Viele tausend Demonstranten strömten am Sonntag ins Zentrum der Millionenstadt Chicago zu einer Großkundgebung gegen Krieg und Nato-Politik. Das gemeinsame Motto zahlreicher Protestgruppen: «Sagt Nein zur Nato-Agenda von Krieg und Armut!»

Parallel sollte unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen das Nato-Treffen in einem streng abgeschirmten Hallenkomplex im Süden des Zentrums beginnen. Gitter, Betonsperren und schwer bewaffnete Polizei sichern das Gelände. Helikopter überwachen den Luftraum. Boote der Küstenwache mit Maschinengewehren an Bord sichern die Ufer des Lake Michigan. Rund 3000 Beamte sind im Einsatz, auch berittene Polizei.

Mindestens bis zur abgesperrten Sicherheitszone rund um das McCormick-Center wollten auch die Demonstranten vorstoßen. Veteranen des Afghanistankrieges wollten aus Protest ihre Medaillen zurückgeben. Die Organisatoren auch der Occupy-Bewegung erhofften sich Zehntausende Teilnehmer. Bereits seit Tagen strömten immer mehr Demonstranten in die Hochhausschluchten Chicagos.

Sorge bereitet besonders der schwarze Block vermummter und oft gewaltbereiter Aktivisten. Immer wieder kam es schon vor dem Gipfel zu kleineren Zusammenstößen. Die Demonstranten spielten in mehreren Protestzügen mit der Polizei Katz und Maus, versuchten Einsatzwagen lahmzulegen. Die Polizei berichtete von einigen Verletzten und Festnahmen in der Nacht zum Sonntag. Die Lage sei aber unter Kontrolle.

Die Sicherheitskräfte vereitelten nach eigenen Angaben mehrere geplante Brandanschläge unter anderem auf ein Wahlkampfbüro von US-Präsident Barack Obama. Vier junge Männer stehen inzwischen unter Terrorverdacht. Bei den Festgenommenen seien Brandsätze und Waffen gefunden worden.

Das Nato-Treffen dauert bis Montag. Einige Regierungschefs wie Bundeskanzlerin Angela Merkel kamen direkt vom Gipfel der acht führenden Industrienationen (G8) in Camp David bei Washington. US-Präsident Barack Obama hatte den zunächst ebenfalls für Chicago geplanten G8-Gipfel auch wegen der Proteste an seinen Landsitz Camp David verlegt.

Offizielle Seite Nato-Gipfel Chicago

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