Chicago (dpa) - Mit Tausenden Ausbildern und milliardenschweren Hilfen will die Nato nach Ende des Kampfeinsatzes Ende 2014 den demokratischen Wiederaufbau in Afghanistan garantieren.

Schon Mitte 2013 sollen afghanische Sicherheitskräfte - im Verbund mit der internationalen Isaf-Schutztruppe - die Kampfeinsätze gegen radikalislamische Taliban führen.

Zum Abschluss ihres Gipfels in Chicago stimmten die 28 Staats- und Regierungschef der Allianz einer Vorlage zu den Hilfen zu.

US-Präsident Barack Obama demonstrierte Zuversicht: «Wir setzen uns zum Ziel, dass die afghanischen Sicherheitskräfte Mitte 2013 die Führungsrolle für die Wahrung der Sicherheit im ganzen Land übernehmen.»

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen ergänzte: «Das ist ein wichtiges Zeichen des Fortschritts zu unserem gemeinsamen Ziel: Einem Afghanistan, das von Afghanen für Afghanen regiert und gesichert wird.»

Den Löwenanteil der geschätzt jährlich 4,1 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) übernehmen die USA, Deutschland will 150 Millionen Euro beitragen. Die USA stellen rund 90 000 Soldaten für die Schutztruppe Isaf, die derzeit etwa 130 000 Soldaten im Einsatz hat.

Die Proteste gegen den größten Gipfel in der 63-jährigen Geschichte des Bündnisses gingen am Montag weiter. Demonstranten zogen zur Zentrale des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Boeing. Nach den Ausschreitungen am Vortag blieb es zunächst ruhig.

Die 28 Alliierten stellten in Chicago Weichen für milliardenschwere Rüstungsprojekte und enge Zusammenarbeit bei Entwicklung und Beschaffung von Rüstungsgütern.

Für Ärger sorgte das Ausscheren Frankreichs aus der Bündnissolidarität: Präsident François Hollande will die Kampftruppen schon Ende 2012 nach Hause holen - zwei Jahre früher als vereinbart.

Hollande spielte die Erregung demonstrativ herunter. «Wir haben eine gemeinsame Abmachung gefunden», sagte er. 2013 sollten französische Ausbilder für afghanischen Polizei und Armee verbleiben.

Zwischen den Zeilen ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel Unverständnis durchblicken: «Wir sind gemeinsam nach Afghanistan gegangen, und wir wollen auch gemeinsam aus Afghanistan wieder abziehen.»

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sieht keine Gefahr eines Nachahmereffekts: «Wir bleiben zusammen, das Bündnis franst nicht aus.»

In Chicago trafen sich die rund 50 Staaten, die Soldaten nach Afghanistan geschickt haben. Nach Darstellung de Maizières erklärte Australien, das mit dem Gedanken gespielt hatte abzuziehene, bis 2014 zu bleiben.

Die Nato kam bei der Raketen-Abwehr einen wichtigen Schritt voran: Das System - ein Schutzschild gegen Angriffe sogenannter Schurkenstaaten wie dem Iran und Nordkorea - ist in Teilen einsatzbereit. Das stellte die Gipfelrunde zum Auftakt fest.

Russland hatte vor dem Beschluss erneut seine Ablehnung deutlich gemacht. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, das System könne das strategische Gleichgewicht stören, weil es letztlich in Lage wäre, auch russische Raketen abzufangen.

Die Raketenabwehr beruht auf der Verbindung von Radarstationen und Abfangraketen zu Lande und zu Wasser. Bis 2020 soll es komplett installiert sein.

Wegweisend für eine neue Ausrichtung der Nato waren vor allem Beschlüsse zu Rüstungsprojekten. «Sie werden militärische Fähigkeiten, die wir brauchen, zu einem Preis schaffen, den wir uns leisten können», sagte Rasmussen.

Es ist eine enge Kooperation bei mehr als 20 Projekten geplant. Angesichts knapper Mittel will die Nato dennoch militärisch und technologisch immer auf letzten Stand zu sein. Viele Entwicklungen können einzelne Staaten finanziell nicht mehr allein stemmen.

Zu solchen Projekten der sogenannten «Smart Defence» (Kluge Verteidigung) gehören beispielsweise ein System zur Bodenaufklärung durch unbemannte Flugkörper oder zur Betankung von Flugzeugen.

Für die deutschen Steuerzahler könnte das Projekt AGS - Bodenüberwachung aus der Luft - durch fünf unbemannte Flugzeuge kostspielig werden. Die Anschaffung durch 13 Staaten, darunter Deutschland, kostet eine Milliarde Euro. Der Betrieb des Systems kostet nach Diplomatenangaben weitere zwei Milliarden Euro - die allerdings auf alle 28 Mitglieder verteilt werden.