Berlin (dpa) - Der Machtkampf um die Führung der Linken geht nach dem Verzicht Oskar Lafontaines in eine neue Runde: Die stellvertretende Linke-Vorsitzende Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen kandidieren für eine weibliche Doppelspitze.

Sie treten damit gegen Fraktionsvize Dietmar Bartsch und die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann an, die sich separat für die beiden Führungsposten bewerben. Weitere Kandidaturen werden erwartet. Auf dem Göttinger Parteitag am 2. und 3. Juni wird es aller Voraussicht nach zu Kampfabstimmungen kommen.

Der Ex-Vorsitzende Lafontaine hatte am Dienstag auf eine Kandidatur verzichtet. Seine Unterstützer setzen nun Bartsch unter Druck, ebenfalls das Feld für einen dritten Weg zu räumen. Der will sich aber nicht zurückziehen. «Die Mitglieder müssen das Sagen haben. Und es gibt kein Gremium, das entscheiden kann, außer dem Parteitag», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Kipping und Schwabedissen erklärten, sie wollten mit ihrer Kandidatur einen «Aufbruch in Richtung einer neuen, nicht-autoritären Linken» erreichen. Die beiden Frauen würden für einen klaren Generationswechsel in der Parteiführung stehen. Kipping, die vor einem halben Jahr Mutter geworden ist und ihre Babypause gerade erst hinter sich hat, ist 34 Jahre alt, Schwabedissen nur fünf Jahre älter.

Die Kandidatur der beiden Frauen wird von Bundesgeschäftsführerin Caren Lay, Vorstandsmitglied Brigitte Ostmeyer und den Bundestagsabgeordneten Jan van Aken und Thomas Nord unterstützt. «Wir wollen in der langen Erzählung der Linken ein neues Kapitel aufschlagen. Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts ist nicht nur eine Frage der Inhalte, sondern auch der Methode: Für eine demokratische Linke», erklärten die sechs Politiker.

Die beiden Kandidatinnen erhielten auch von anderen prominenten Linken Unterstützung, vor allem aus dem Lafontaine-Lager. Parteichef Klaus Ernst sagte am Dienstagabend auf einer Regionalkonferenz in Berlin: «Zwei Männer haben wir ja schon gehabt.» Auch Fraktionsvize Ulrich Maurer schlug sich auf die Seite von Kipping und Schwabedissen: «Ich glaube, es ist an der Zeit, wenn die Linke überhaupt noch eine Chance haben will, dass sie jünger wird, dass sie weiblich wird und dass die Böcke sich vom Acker machen», sagte er im ARD-«Morgenmagazin».

Auch aus ostdeutschen Verbände - bisher Bartschs Stütze -kam Rückendeckung für das Frauen-Duo. Thüringens Parteichef Knut Korschewsky sagte, Kipping und Schwabedissen hätten ein «Angebot in die Zukunft» gemacht. Die meisten Landesverbände wollten sich nicht auf ein Lager festlegen. Auch Fraktionschef Gregor Gysi blieb neutral. Nur Mecklenburg-Vorpommern, der Heimatverband Bartschs, bekannte sich klar zu dem Stralsunder. Landeschef Steffen Bockhahn warf den Unterstützern der weiblichen Doppelspitze vor, Bartsch mit allen Mitteln verhindern zu wollen.

Der thüringische Fraktionschef Bodo Ramelow schlug in der «Berliner Zeitung» Bartsch als Bundesgeschäftsführer unter Kipping und Schwabedissen vor. Die Linken in Niedersachsen und Baden-Württemberg brachten Lafontaines Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht wieder als Parteivorsitzende ins Spiel.

Lafontaine hatte am Dienstag seinen Verzicht auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt, nachdem Gysi ihm am Montag seine Unterstützung entzogen hatte. Der 68-jährige Saarländer erteilte auch der Übernahme anderer bundespolitischer Aufgaben eine Absage. Damit dürfte eine Spitzenkandidatur Lafontaines bei der Bundestagswahl 2013 nicht mehr infrage kommen.

Erklärung Kipping/Schwabedissen

Katja Kipping

Oskar Lafontaine

Dietmar Bartsch