Kairo (dpa) - Unter den wachsamen Augen der Militärs hat in Ägypten die erste demokratische Präsidentenwahl in der Geschichte des Landes begonnen. Zum Auftakt blieb es am Mittwoch rund um die Wahllokale, vor denen Soldaten und Polizisten postiert waren, friedlich.

Viele Wähler erklärten jedoch, sie hätten Angst vor einer neuen Welle der Gewalt, weil einige der Kandidaten eine Niederlage womöglich nicht akzeptieren würden. Die Abstimmung soll an diesem Donnerstagabend enden, Mitte Juni könnten Stichwahlen stattfinden.

Einige Beobachter berichteten über Versuche der Wahlleiter, die Wähler zugunsten eines bestimmten Kandidaten zu beeinflussen. «Unsere Wahlbeobachter haben selbst gehört, wie Mitglieder der Wahlkommission einzelnen Wählern, die nicht lesen können, gesagt haben, wo sie ihr Kreuz machen sollen», sagte Scherin Talaat von der Kampagne des Kandidaten Chalid Ali.

Das Ergebnis der zweitägigen Wahl wird für den kommenden Samstag erwartet. Danach können die Kandidaten Einspruch einlegen. Das endgültige Ergebnis soll dann am Dienstag kommender Woche feststehen.

Zu den Kandidaten mit den besten Chancen zählen der liberale Karrierediplomat Amre Mussa, Mubaraks letzter Regierungschef Ahmed Schafik, der unabhängige Islamist Abdel Moneim Abul Futuh und der Muslimbruder Mohammed Mursi. Wenn keiner der zwölf Kandidaten die absolute Mehrheit erhält, findet Mitte Juni die Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten statt.

Auf den Stimmzetteln standen am Mittwoch zwar insgesamt 13 Namen. Ein Kandidat hatte sich jedoch vor einigen Tagen zugunsten von Amre Mussa zurückgezogen.

Vor vielen Wahllokalen bildeten sich am Morgen lange Warteschlangen. Frauen und Männer stellten sich getrennt an und wählten auch in getrennten Räumlichkeiten. Damit sollte ermöglicht werden, dass weibliche Beisitzer der Wahlkomitees die Identität von Frauen mit Ganzkörper-Verschleierung überprüfen.

Zu einem Boykott der Wahl hatten lediglich einige der sogenannten Revolutionsgruppen aufgerufen, die mit ihren Protestaktionen im vergangenen Jahr den Sturz von Präsident Husni Mubarak bewirkt hatten. Sie protestierten damit gegen den Obersten Militärrat, der nach dem Rücktritt von Mubarak im Februar 2011 die Macht übernommen und eine Übergangsregierung ernannt hatte.

Von der Mehrheit der rund 50 Millionen Wähler war die Präsidentenwahl jedoch mit Spannung erwartet worden. Denn die Frage, ob Ägypten demnächst von einem säkularen Polit-Profi oder einem Islamisten regiert wird, ist entscheidend für die politische und wirtschaftliche Zukunft des Landes.

Die Generäle haben versprochen, sich Ende Juni aus der Politik zurückzuziehen, wenn der Präsident vereidigt und eine neue Verfassung beschlossen ist.

Vor einigen Wahllokalen in der südlichen Stadt Luxor verteilten junge Aktivisten am Mittwoch Zettel mit der Aufschrift: «Schnappt die Überreste des alten Regimes!» Mit ihrer Kampagne wollten sie die Wähler davon abhalten, ihre Stimme einem ehemaligen Funktionär wie Ahmed Schafik zu geben.